Oldenburg - Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN), Prof. Dr. Christian Pfeiffer, hat am Dienstagabend auf Einladung der Oldenburgischen Bürgerstiftung in der Aula des neuen Gymnasiums über die Benachteiligung von Jungen gesprochen und dabei seine 300 Zuhörer begeistert. Unter dem Titel „Wie retten wir unsere Söhne?“ betrachtete der Experte die zunehmenden Unterschiede in der Erziehung von Jungen und Mädchen. Pfeiffer geht von neuesten Forschungsergebnissen des KFN aus und stützt sich dabei auf umfangreiche Repräsentativbefragungen – ergänzt durch passende Erkenntnisse aus der Kinderkrippen-, Kindergarten- und Schulforschung.

Laut Pfeiffer sind in den letzten Jahren die Jungen bei der Förderung vernachlässigt worden und hätten heute immer größere Schwierigkeiten dabei, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Der wesentliche Grund des Übels ist für Pfeiffer durch seriöse Forschungen belegt: Jungen verbringen wesentlich früher und dann auch länger Zeit mit Computerspielen als Mädchen, und die Spiele, für die sie sich begeistern, sind deutlich brutaler als die der Mädchen.

„Jungen sind massiv verunsichert dadurch, dass die Mädchen immer stärker werden. Sie sind in einer Leistungskrise. Viele flüchten sich in Computerspiele, wo sie noch die klassische Männerrolle ausleben können. Aber das ist natürlich ein Irrweg, weil die Realität komplett anders ist. Bei acht Prozent der Jungen hat das Computerspielen suchtartige Züge, dagegen bei nur 0,8 Prozent der Mädchen“, sagte Pfeiffer.

Die Folgen sind dramatisch und zeigen sich besonders in einer Verschlechterung der schulischen Leistungen von Jungen. Um dieser fatalen Entwicklung entgegenzuwirken, seien Verbote, so Pfeiffer, weitgehend untauglich – es gelte vielmehr, den Kindern und Jugendlichen attraktive Angebote zu machen, die ihnen Erfolgserlebnisse und vor allem jede Menge körperliche Anstrengung vermittelten.

Pfeiffer empfahl deshalb, bei den Jungen die Leidenschaft für reale Lebenswelten zu wecken: „Wir brauchen für Jungen mehr Angebote aus den Bereichen Theater, Sport, Musik oder Lesen. Das muss schon bei den ganz Kleinen anfangen. Das ist eine Schutzimpfung gegen die Gefahren von Computerspielen und Internet.“ Er appellierte aber auch an Eltern, Jungen mehr Zuwendung zu geben und „mit ihnen liebevoll und gewaltfrei umzugehen“.