• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Reportage „weisse Wölfe“: Comic zeigt braunen Terror in Schwarz-Weiß

26.03.2015

Dortmund /Oldenburg Fünf Schüsse in den Kopf, fünf ins Herz – und eine Frage. Mehmet Kubasik war das achte Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Er wurde am 4. April 2006 in seinem Kiosk in Dortmund getötet. Fünf Schüsse in den Kopf, fünf ins Herz – und eine Frage: „Warum fährt irgendwer aus dem Thüringer Wald ausgerechnet nach Dortmund, um einen Türken zu töten?“

Diese Frage stellte sich David Schraven. „Die Suche nach einer Antwort hat Jahre gedauert“, schreibt der Journalist. „Heute bin ich sicher, es gibt viele Gruppen wie den NSU. Vielleicht nicht so tödlich. Aber genauso zur Gewalt bereit.“ Seine Recherchen und seine Ergebnisse hat der Journalist unter dem Titel „Weisse Wölfe“ auf mehr als 200 Seiten veröffentlicht. Als Comic oder wie Schraven es nennt: eine grafische Reportage über rechten Terror.

Weisse Wölfe – das komplette Comic online

Angst vor Anschlägen

David Schraven war Chef des Recherche-Ressorts der WAZ-Gruppe, 2008 gewann er einen sogenannten Wächterpreis. Inzwischen ist er Chefredakteur des Recherchebüros „Correct!v“, ein gemeinnütziges Projekt, das er mitgegründet hat.

Es ist nicht das erste Mal, dass Schraven ein Comic nutzt, um das Ergebnis seiner Recherche zu transportieren. Aber es ist das erste Mal, dass er mit Jan Feindt zusammenarbeitet. Der Illustrator nutzt für „Weisse Wölfe“ keine Farbe, den düsteren Schwarz-Weiß-Bildern dienten auch Fotos als Vorlage. Teilweise wirken sie beeindruckend real und unterstreichen Schravens düstere Geschichte.

Das Buch hat bereits vor der Veröffentlichung für Kontroversen gesorgt. Schraven und Feindt zeigen bewusst verfassungsfeindliche Symbole, auf dem Buchdeckel die Runen von Himmlers „Schutzstaffel“. Eine Ausstellung zum Buch musste in den Berliner Redaktionsräumen von „Correct!v“ stattfinden – alle angefragten Galerien hatten laut Schraven aus Angst vor Anschlägen Rechtsextremer abgesagt.

Dass „Weisse Wölfe“ nicht wie geplant mit einer großen Tageszeitung veröffentlicht wurde, liegt an den „Turner-Tagebüchern“. Die Befürchtung: Die Ausschnitte aus dem 1978 veröffentlichten Roman, die jedes Kapitel einleiten, würden den Comic angreifbar machen. Das Buch des US-Amerikaners William L. Pierce ist in Deutschland verboten.

In rechtsextremen Kreisen genießen die „Turner-Tagebücher“ Kultstatus. Die Fantasie eines Kampfes rechter Untergrund-Gruppen und eines anschließenden Rassenkrieges soll Vorbild für rechtsextreme Zellen weltweit sein.

In „Weisse Wölfe“ macht sich Schraven auf die Suche nach ihnen. Und wird fündig. Abwechselnd erzählt der Autor von seinen Recherchen und von einem jungen Mann, der zum militanten Nazi-Skinhead wird. Dazwischen immer wieder Ausschnitte aus den „Turner-Tagebüchern“.

Mord als Botschaft

Am Ende laufen die drei Stränge zusammen, Schraven trifft den (inzwischen Ex-)Nazi, ein Informant stellt den Bezug zum verbotenen Buch her – zur „Blaupause des rassistischen Untergrundkampfes“. Die rechten Terrorzellen kommunizieren untereinander, schreibt Schraven, „mit dem Wort der Tat“.

Der Mord an Mehmet Kubasik sei eine Botschaft gewesen. Eine Aufforderung an die große Dortmunder Nazi-Szene, mitzumachen. „Wir denken, es macht keinen Sinn, den Kopf in den Sand zu stecken und zu glauben, das Böse verschwindet, wenn man es lange genug ignoriert“, schreibt Schraven. „Wir müssen uns dem Horror stellen, um ihn zu bekämpfen.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.