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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Shakespeare Company macht die Kanzlerin zur Königin

13.12.2018

Bremen Die Bundeskanzlerin als Königin von Deutschland? Unvorstellbar. Aber es gibt ein Theater, das Angela Merkel nicht nur royale Züge verleiht, sondern ihr auch gleich dramatische Größe verpasst: die Bremer Shakespeare Company. „Angela I. – Ein deutscher Rosenkrieg“ heißt das Theaterstück, das am 28. Februar 2019 im Theater am Leibnizplatz uraufgeführt wird. Ein echtes Königinnendrama, das die CDU-Politikerin keineswegs kabarettistisch auf die Schippe, sondern ernst nehmen will.

Öffentliche Proben – theaterkollektiv

Das Stück „Angela I. – Ein deutscher Rosenkrieg“ von Katja Hensel wird am 28. Februar um 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz uraufgeführt. Öffentliche Proben finden am 23. Januar, 6. und 19. Februar, jeweils 19.30 Uhr, statt.

Die Bremer Shakespeare Company ist ein Theaterkollektiv. Gegründet wurde sie 1983 – als Theater, das nicht von einem Intendanten, sondern von der Gesamtheit des Ensembles eigenverantwortlich geleitet wird. Tagesgeschäft und Strategien werden in wöchentlichen Vollversammlungen diskutiert.

Infos und Karten unter www.shakesspeare-company.com

Noch hat die Berliner Autorin Katja Hensel ihr Stück nicht ganz fertig, erst am Mittwoch kamen die Schauspieler zur ersten Leseprobe zusammen. Verständlich, dass Regisseur Stefan Otteni, ebenfalls aus Berlin, im Gespräch bewusst vage bleibt. Zumal die Shakespeare Company noch in den Proben an ihren Theatertexten weiterarbeitet. Aber soviel stellt der 52-Jährige klar: Wo Angela draufsteht, ist auch Angela drin.

Demokratie im Herbst

Auf der Homepage des Theaters erfährt der Zuschauer schon einmal, dass sich Deutschland „im Herbst der Demokratie“ befinde und dass eine Kanzlerin – „königsgleich und alternativlos“ – seit einer „gefühlten Ewigkeit über das Reich herrscht“. Katja Hensel schreibe das „erste Königinnendrama der deutschen Gegenwartsliteratur, und es wird – notgedrungen – eine Komödie“.

Es soll ein modernes Stück werden, das gleichwohl Züge eines Shakespeare-Dramas trägt. Otteni hatte nach diesem Prinzip bei der Bremer Company vor zwei Jahren bereits „King Charles III.“ von Mike Bartlett inszeniert. Darin hat die britische Queen das Zeitliche gesegnet, ihr Sohn steht bereit für den Thron. Zwar gibt es in Deutschland keine Monarchie mehr, aber offenbar etwas Ähnliches.

Merkel spiele mit, versichert der 52-Jährige, sie tue jedoch Dinge, „die wir von ihr nicht erwartet hätten“. Und es „könnte sein“, dass das Land in eine Lage gerate, in der die einzige Lösung ist, sie zur Königin zu machen. Doch wer weiß? Da das Stück noch unter Verschluss ist, wie der Regisseur mit Nachdruck betont und ein Geheimnis daraus macht, sollte man ihn wohl nicht darauf festlegen.

Die Idee an sich klingt zwar überspitzt, aber für Otteni nicht so abwegig, wenn er die öffentliche Wahrnehmung und mediale Wirklichkeit in Betracht zieht. Was bedeute denn noch Demokratie, wenn sich alle Welt immer nur auf Einzelne „da oben“ konzentriere? Für die Entscheidungen im Sommer 2015, als die Grenzen für Flüchtlinge geöffnet wurden, sei immerhin ein ganzes Kabinett verantwortlich gewesen.

Tatsächlich sind die Regie und die Handlung des Stückes vom politischen Tagesgeschäft abhängig. So sei etwa der „Rosenkrieg“ aus dem Titel inzwischen etwas in den Hintergrund getreten, erläutert Otteni. Der hatte sich auf die Querelen zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer im vergangenen Sommer bezogen und sollte die Nähe zu Shakespeare betonen.

Viel zu ernst

Eine zornige Abrechnung wie kürzlich das Stück „Elefantengeist“ am Nationaltheater Mannheim, das der Schweizer Lukas Bärfuss über Helmut Kohl geschrieben hat, wird es in Bremen nicht geben. Eine kabarettreife Aufführung aber auch nicht: Diese Kanzlerin regiert Deutschland voraussichtlich noch drei Jahre, sagt Otteni, das sei viel zu ernst, um sich über sie lustig zu machen. Obwohl es „notgedrungen“ manchmal komisch und absurd wird, sei es ein Humor, der aus der Politik selbst kommt.

Erkennbar wird Merkel jedenfalls sein. Aber noch ist offen, wie sie auf der Bühne verkörpert wird – eher als Ikone, die von mehreren gespielt werden kann oder auch von einem Mann, oder als Privatperson. „Das müssen wir in den Proben herausfinden.“

Regina Jerichow
Stellv. Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2061

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