BREMEN - Die Nutzung des U-Boot-Bunkers Valentin in Bremen sorgt für Streit zwischen dem obersten Landes-Denkmalschützer und der Bundesimmobilienanstalt. Europas zweitgrößter überirdischer Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg (der größte steht im französischen Brest) wird in den nächsten Jahren zur Gedenkstätte ausgebaut. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die den Bunker verwaltet, will jedoch Teile der Fläche an Betriebe vermieten.
Im Mittelteil des Bauwerks soll eine Ausstellung an die Leiden Tausender Zwangsarbeiter erinnern, die die gigantische U-Boot-Werft von 1943 bis 1945 errichten mussten. Für die Vermietung müssten Wände oder Zäune eingezogen werden, was den Charakter der Halle zerstöre, sagte der Leiter des Landesamts für Denkmalpflege, Georg Skalecki. Man könnte die Dimension nicht mehr in seiner Gänze wahrnehmen. Da muss man auch durchschreiten können.
Um die Betriebskosten für den Koloss zu decken, will die Bima neben einem dreigeschossigen Seitenteil anders als ursprünglich geplant nun auch Flächen in der großen Halle zum Einlagern vermieten. Dagegen hat Skalecki in einem Brief an die Bundesbehörde Widerspruch erhoben. Sollte die nicht einlenken, müsse auf höchster politischer Ebene entschieden werden, betonte er. Da bin ich nicht verhandlungsbereit.
Theater im Bunker
Das Schreiben sei eingegangen, bestätigte Bima-Fachgebietsleiter Hans-Heinrich Schrievers. Das lassen wir rechtlich prüfen, weil das einen erheblichen Eingriff in unsere Nutzungsmöglichkeiten darstellt. 3,8 Millionen Euro zahlen Bund und Land für den Aufbau der Gedenkstätte. Seit Mai 2011 können angemeldete Gruppen das Gelände erkunden.
Im Bunker selbst wurde auch eindrucksvoll Theater gespielt. Unter der Bremer Intendanz von Klaus Pierwoß (69) führte man von Johann Kresnik inszeniert Die letzten Tage der Menschheit von Karl Kraus auf. Dabei wurde im Ruinen-Bunkerteil gespielt, sogar Panzer kamen zum Einsatz. Dieser alte, heute nicht mehr begehbare Teil des Bunkers soll als Ruine auch künftig unangetastet bleiben, betonte Skalecki ausdrücklich am Mittwoch.
1999 wurden bei der Kresnik-Premiere ausführlich Platzpatronen verschossen, auch Feuerwerk kam zum Einsatz. 40 Szenen in zwei Stunden: Die Nässe kroch den Besuchern durch die Kleidung, doch keiner ging enttäuscht nach Hause. Das gigantische Projekt war so erfolgreich, dass es über sieben Spielzeiten lief, 130 Vorstellungen kamen zustande. Das Ereignis gehörte über etliche Jahre zur sogenannten Event-Kultur des Nordens.
Die Hauptgestalt des Abends war bei allen Vorstellungen der im Grunde hässliche, aber eindrucksvolle, schwer nutzbare, aber historisch wichtige Bunker Valentin. Die Alliierten hatten den Hochbunker einst mehrfach bombardiert, warfen sogar Zehn-Tonnen-Bomben, sogenannte Grand Slams. Aber die sieben Meter dicken Mauern knackten sie nur an ganz wenigen Stellen. Heute könnten offenbar rein finanzielle Interessen jede Mauer durchstoßen.
Klaus Pierwoß warnt
Bremens Ex-Intendant Pierwoß, heute in Berlin lebend, schwärmt noch heute vom großen Ruinen-Theater seiner Bremer Zeit und hält jede Veränderung an der Ruine für falsch: Das wäre eine Schändung des Denkmals. Schon in meiner Zeit wollten ganz Wagemutige eine Party auf dem Dach veranstalten purer Wahnsinn! Das wurde dann zum Glück abgelehnt.
