BREMEN - Wunderschön, unnahbar und heiß diskutiert. Das sind die nackten Schönheiten, die zum Teil lebensgroß auf ihre Betrachter herabblicken.

Es sind Fotografien von Frauen, die sich ohne Scheu vor Helmut Newtons Kamera räkeln und scheinbar voyeuristische Einblicke in ihre Privatsphäre geben. Neben weniger prominenten Namen finden sich in der Ausstellung auch Berühmtheiten wie Hollywood-Diva Charlotte Rampling, lasziv in einem Pelzmantel gehüllt, oder Topmodel Naomi Campbell, entspannt und nackt auf einem Handtuch.

In Newtons Werken ist es immer wieder die Frau, die er in den Mittelpunkt rückt. Der selbstbewusste Sexus der Frauenbilder provoziert und fesselt. Die bekannten, lebensgroßen „Big Nudes“ werden durch kleinformatige Werkserien – ganz im Stil simpler Schnappschüsse – ergänzt.

„Bremen ist jung, lebendig, urban und neugierig. Deswegen passen die Bilder Newtons hier so gut rein“, erklärt Carsten Ahrens, Direktor der Weserburg. Mit der Ausstellung „Helmut Newton – Fotografien“ zeigt das Museum auf 750 Quadratmetern 80 Werke des zu Lebzeiten teuersten Fotografen der Welt. Tabugrenzen der Fotografie wurden von ihm neu definiert. „Meine Frauen bleiben immer Sieger“, betonte der Künstler.

Newton akzeptierte die virulente Auseinandersetzung um den in den Fotografien vermittelten Objektcharakter der Frau. Er konterte: „Bullshit! Ich liebe diese Mädels, das alles ist ein feministisches Missverständnis.“ Und wenn die „Big Nude“ Yuko, nur mit schwarzen Springerstiefeln bekleidet, den Betrachter direkt fixiert, oder eine schöne Blonde barbusig, aber unbekümmert Wein trinkt, wird schnell klar: Die Frauen auf Newtons Bildern sind keine Opfer – sie sind vielmehr selbstbewusste, ambivalente Wesen. Auf der einen Seite spiegeln die Fotografien auf offensichtliche und eindringliche Art und Weise männliche Unterdrückungsfantasien wider. Aber nie verlieren die abgebildeten Frauen die Kontrolle: Ihre Blicke wirken stark, fast arrogant, und ihre Haltung stets energisch.

Minutiös durchdacht und detailliert setzt Newton seine Modelle in Szene, stattet sie mit symbolbeladenen Accessoires aus: Newton, Fetischist des Glamours und der Provokation, schmückt viele der Frauen mit hohen Stilettos, Ketten und Masken. Dabei dokumentiert er weibliche Körperlichkeit ohne Retusche. Die vielen Gegensätze im Spiel von Licht und Schatten, das grobkörnige Bild und ungewöhnliche Perspektiven komplettieren Newtons unverwechselbare Handschrift.

Der Fotograf spielt mit Rollenklischees der Geschlechter und erotischen Fantasien. Der Kontrast zwischen den aufrecht stehenden „Big Nudes“ und den anscheinend unbeobachteten Frauen provoziert. Bis heute ist die Debatte über Newtons Frauenbilder rigoros. Der Künstler sagte: „Ich habe fotografiert, was ich sah.“