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Ausstellung Liebe, Angst und Tod bei Munch

Jürgen Weichardt

BREMEN - Farbspuren auf einer zweiten Leinwand unter dem 1918 erworbenen, auf Keilrahmen gespannten Bild „Das Kind und der Tod“ von Edvard Munch machten neugierig. Eine Röntgen-Aufnahme weckte die Erwartung, dass mehr unter dem Bild sei. Umrisse einer Figur und mehrerer Köpfe ließen sich erahnen. Vorsichtig wurde das obere Bild gelöst, das untere freigelegt – die Forscher hatten ein unbekanntes Munch-Bild gefunden. Dieser Vorgang gab der aktuellen Ausstellung ihren Titel: „Rätsel hinter der Leinwand“.

Ein Knüller

Mit dem Fund sind die Rätsel nicht gelöst: Warum hat Edvard Munch (1863–1944) zwei Bilder übereinander gespannt? Wann ist das geschehen? Während das obere Bild leicht in den an Versionen reichen Themenkreis „Das Kind und der Tod“ einzugliedern ist, bleibt das Bild mit dem Mädchen und drei Männerköpfen isoliert. Lediglich das Gemälde „Tragödie“ (1898– 1900), das selbst eine verwirrende Geschichte der Übermalung und Rekonstruktion hat und aus Minneapolis ausgeliehen wurde, zeigt Parallelen, die das Rätselraten noch erweitern.

Mit dem Fund hat die Kunsthalle Bremen jetzt einen Knüller, der umfangreich dokumentiert wird und die neue Ausstellung eröffnet. In großzügiger Hängung folgen Gemälde und Grafiken, geordnet nach Themen, die für den norwegischen Künstler existenziell waren und ihn von den impressionistischen Kollegen in Paris unterschieden, wo er sich vor der Jahrhundertwende ebenso häufig aufgehalten hatte wie später in Berlin.

Mit den Motiven „Der Kuss“, „Vampir“ und mehrfach „Das Weib, Spinx“ reflektiert Munch ewige Situationen des jungen menschlichen Lebens. Aber die Themen lassen ihn später nicht los, wie die berühmten Bilder der Begierde, der Eifersucht aus verschiedenen Jahren belegen. In seinen Werken bewahrt sich Munch einen hohen Symbolgehalt, so dass selbst so heitere Werke wie „Spielende Kinder auf der Straße in Asgardstrand“ (1901–1903), hinterfragt werden, zumal das Mädchen im Vordergrund eine bitterböse Miene macht.

Eindeutigkeit vermieden

Mit dem genannten Bild „Das Kind und der Tod“ leitet die Ausstellung von der Analyse der Geschlechterspannungen über zu Themen von Tod und Leben, in deren Zusammenhang auch die berühmte Lithografie „Der Schrei“ als Motiv der Angst gezeigt wird.

Die Konfrontation von Kindern mit dem Tod ihrer Mutter, den der Künstler im Alter von fünf Jahren selbst erlebt hatte, wird heute nicht nur als Horrorbild gesehen, sondern auch als Darstellung eines Anfangs, der dem Ende gegenübergestellt wird. Edvard Munch hat den Kindern unterschiedliche Ausdrucksweisen gegeben und damit wie stets eindeutige Auslegungen vermieden.

In einer Begleitausstellung im Kupferstich-Kabinett werden Grafiken von Zeitgenossen wie Odilon Redon, Max Klinger, Felicien Rops gezeigt, die das Grundthema der Kunst von Edvard Munch aufgenommen haben. Liebe, Angst und Tod – Stichwörter mit großer Anziehungskraft. Es werden von diesem Sonntag an 50 000 Besucher insgesamt erwartet.

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