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Ausstellung Über Aserbaidschan zurück nach Bremen

Dieter Sell

BREMEN - Die abenteuerliche Geschichte der berühmten Dürer-Sammlung der Bremer Kunsthalle steht im Mittelpunkt einer Ausstellung, die derzeit in der Hansestadt zu sehen ist. Im Kupferstichkabinett werden etwa 50 zum Teil erhaltene, zum Teil verschollene, aber in Rekonstruktionen gut dokumentierte Werke des bedeutendsten Künstlers an der Schwelle zwischen Spätmittelalter und Neuzeit gezeigt.

Komplett rekonstruiert

„Bis zum Zweiten Weltkrieg beherbergte die Kunsthalle eine der bedeutendsten Sammlungen und Wasserfarbenblätter Dürers“, sagt Kuratorin Anne Röver-Kann. In den Kriegswirren des Frühjahrs 1943 wurden die Werke Dürers (1471–1528) mit anderen Blättern des Kupferstichstichkabinetts in das angeblich sichere Schloss Karnzow in der Mark Brandenburg ausgelagert. Doch im Mai 1945 plünderten und zerstörten sowjetische Soldaten wie Dorfbewohner das Lager.

Doch einige Bilder seien noch in jüngster Zeit teils auf verschlungenen Wegen nach Bremen zurückgekehrt, sagt sie. Die Schau rekonstruiere die komplette Sammlung.

Neben zwölf Originalzeichnungen hängen die noch vermissten Werke als Faksimiles und Fotos an Wänden und in Vitrinen. Darunter ist auch die Federzeichnung „Gesellschaft zu Pferde“ von 1489. „Auf dieser ältesten Arbeit aus dem Bestand der Kunsthalle wird bereits die Bandbreite der Sujets deutlich, mit denen sich Dürer zeitlebens befasst“, erläutert Röver-Kann. Die Motive reichen von religiösen und historischen Themen über Tier- und Pflanzenstudien bis zu den damals neuen Bildgattungen wie der Landschaft und dem Selbstbildnis.

Besonders bemerkenswert ist „Das Frauenbad“, eine Federzeichnung von 1496, die Experten als Schlüsselwerk der europäischen Kunstgeschichte sehen. Nach der Plünderung in Schloss Karnzow kam das Bild mehr als fünf Jahrzehnte später über die Sowjetunion, Japan und Aserbaidschan und nach zähen Verhandlungen in der New Yorker Staatsanwaltschaft 2001 nach Bremen zurück. Ähnlich ging es mit anderen Blättern.

„Das Bild zeigt, was Auftraggeber damals von einem jungen Künstler erwarteten“, sagt die Kunsthistorikern. „Ein räumlicher Bildaufbau, die gerade entdeckte Zentralperspektive, das Nebeneinander sehr skizzenhafter und sorgsam ausgeführter Partien, Menschen und Tiere in Bewegung.“ Dürers „Gesellschaft zu Pferde“ (1489) trägt noch deutlicher diese Handschrift Dürers, der zu den größten Künstlern der Reformationszeit zählt. Weltruhm erlangte er durch Holzschnitte, Kupferstiche und Radierungen sowie durch sakrale Gemälde. In Bremen sind alle von Dürer meisterlich beherrschte Techniken zu sehen.

„Hoffnung stirbt zuletzt“

Den Grundstein der Sammlung, die Kenner vor dem Zweiten Weltkrieg gleich nach Wien, London und Paris nannten, legte der Bremer Senator und Kunstmäzen Hieronymus Klugkist (1778–1851). Seine Käufe machten Bremen 1827 auf einen Schlag zur „Dürer-Stadt“. Neben mehreren Tafelbildern überließ er dem Haus knapp 50 Aquarelle und Zeichnungen sowie eine fast vollständige Kollektion aus Dürers druckgrafischem Werk. Sie als Originale wieder zu beschaffen, sei schwer, sagt Röver-Kann. „Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.“

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