BREMEN - Imagination sei wichtiger als Logik, behauptet ein Kinoplakat von Luca Bogoni aus Berlin und deutet an, was ein Plakat 2007 war: eine Gestaltung aus leicht fassbarer Abbildung, lesbarer Schlagzeile und geschickter Raumaufteilung. Da auch Bild- und Sprachwitz in die provokative Substanz eines zum Denken anregenden Plakats einfließen, entwickelt die Ausstellung „100 beste Plakate 07“ im Bremer Wilhelm-Wagenfeld-Haus eine heitere und spannende Atmosphäre voller skurriler Überraschungen.

Jährlicher Wettbewerb

Der Berliner Verein „100 Plakate“ ruft alljährlich zu einem jurierten Wettbewerb auf, Plakat-Entwürfe des vergangenen Jahres einzureichen. Auch Design-Studenten können sich mit Erfolg beteiligen. Kulturveranstaltungen wie Konzerte, Theateraufführungen, Filme und Ausstellungen bilden das thematische Schwergewicht der Plakate; das politische Plakat hat künstlerisch nicht überlebt. Wohl aber ist Politik in vielen Schafsfell-Versionen verborgen, etwa wenn „Bambi fürs Leben“ lernt, indem es eine Terroristenmaske trägt (Theater Freiburg), oder das Klingspor-Museum Offenbach mit der Parole „Eigensinn macht Spaß“ wirbt. Das Designer-Plakat eine Quelle des Widerstandes gegen die Gleichmacherei?

Vor zwei Jahren war von der Finanzkrise noch nichts zu spüren; die Plakate jenes Jahres, die auf schmale Quader aufgezogen von den Wänden Abstand halten und im Raum stehen, lassen Mitteleuropa noch in spielerischer Unbekümmertheit erscheinen, so dass Ruedi Baur in Wien fragen kann: „Macht Design glücklich?“ Für die Ausstellung in Bremen kann die Frage bejaht werden.

Minimale Realitäten

Einen anderen Wettbewerb zeigt das Neue Museum Weserburg: Zu sehen sind Werke der Kandidaten zum Kunstpreis der Böttcherstraße, zu dem auswärtige Kuratoren junge, aber doch schon erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler vorgeschlagen haben.

Der Tenor der Ausstellung wird als „minimalistisch“ bezeichnet, im Gegensatz zur modischen Blüte der Malerei und zur Pracht der Plakate. Wenn Magdalena von Rudy ein Video mit dem Stichwort „Stille“ präsentiert, Alicja Kwade 100 Steine von Berliner Straßen als „Bordsteinjuwelen" schleift, poliert und auf weißen Grund auslegt, oder wenn Kitty Kraus kaum sichtbare Glasflächen an Wände montiert, so machen diese 30 bis 35 Jahre alten Künstlerinnen beispielhaft deutlich, dass es ihnen um feinste Nuancen geht, um minimale Realitäten, die im gegebenen Raum sensibel platziert werden.

Grußbotschaften per Radio

Für den in Frankreich geborenen Saadane Afif hat Radio Bremen extra eine UKW-Frequenz freigeschaltet (97,2), auf der während der Ausstellung ununterbrochen Musik, Grußbotschaften des Künstlers und Gasttexte gesendet werden. Die Grenzbereiche der Kunst sind fließend und werden neu definiert; das Akustische gewinnt mehr und mehr Raum.

Bis zum 17. Mai will sich die Jury entschieden haben, welcher junge Künstler der diesjährige Träger des Kunstpreises Böttcherstraße sein wird.