BREMEN - Längst brauchen Videoarbeiten mehr Raum als nur einen Stellplatz für den Monitor. Die Städtische Galerie Bremen zeigt jetzt drei im Vorjahr ausgezeichnete Arbeiten. Dazu wird im Foyer eine Arbeit von Johanna Domke, Berlin, projiziert.
2009 wurde der Hauptpreis (5000 Euro), der vom Filmbüro und der Galerie gestiftet wurde, zwischen dem „eteam“ und Sabrina Müller geteilt; den Preis für Bremer Künstler (1000 Euro) erhielt die Studentin Özlem Sulak. Alle drei rechtfertigen die Auszeichnung mit gelungenen, verschiedenartigen Videos.
Das „eteam“ hat den Raum vor der Projektion des Videos „Second Life Dompster“ mit Kartons für Elektrogeräte, alte Stühle und Wegwerf-Objekte drapiert. Das Video zeigt einem virtuellen Müllplatz aus dem „Second Life“ mit bunten Motiven, gesammelt im Internet – ein schrilles Video mit Spaß-Charakter. Sabrina Müller hat ihr Video im Botanischen Garten von Sarajewo gedreht: „Das Reich der Tiere“ ist im Rasen und in den Lüften zu finden, und wird auf Fußboden und Decke projiziert, sodass das Publikum die Sichtweisen von Kriechtier und Vogel übernehmen kann – eine Folge schöner Bilder.
Özlem Sulak thematisiert in ihrer auf zwölf Monitore verteilten Schein-Dokumentation Ereignisse vom 12. September 1980. Damals putschte das türkische Militär und beendete Unruhen. Die restriktiven Gesetze gelten zum Teil heute. Die Autorin hat Personen befragt, wie sie den Tag erlebt haben. Während die Befragten ihrer täglichen Arbeit nachgehen, antworten sie mit subjektiven Berichten; aber alle machen deutlich, dass ein solches Ereignis unkalkulierbare Risiken enthält. Vielfalt und Emotionalität des Erlebens machen die Installation zur spannendsten der Preisträger.
Äußerliche Spannung vermeidet Johanna Domke in ihrem ungeschnittenen Videolauf an 80 Laien-Darstellern vorbei, die in Reihen sitzen, vor Schranken stehen, in Nebenräumen harren, ähnlich bekannter Situationen im Wartezimmer oder vor Kontrollen auf Flugplätzen. Die ausgelöste Leere im Gemüt überträgt sich in die Augen.
Ein Ergebnis: Unglaublich, wie verschwenderisch wir mit Zeit umgehen.
