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Ausstellung Wenn sanfte Farben überraschen

Jürgen Weichardt

BREMEN - Wols ist in der klassischen Moderne zum Mythos geworden. Das Museum Weserburg zeigt nun Fotografien der Pariser Zeit und etwa 30 Zeichnungen und Aquarelle aus der Bremer Privatsammlung Karin und Uwe Hollweg. Sie werden in ein breites Spektrum von Werken eingebettet, die nicht nur Einflussnahme auf Wols, sondern auch Anregung, die von ihm ausgegangen ist, erkennen lassen.

Zugleich wird auf parallele Ideen angespielt, aber auch eklatanter Widerspruch sichtbar gemacht. Die vom Installationskünstler Olaf Metzel eingerichtete Schau zeigt auf diese Weise die Fülle der Malerei und Zeichnung im breit angelegten Umfeld von Wols.

Filigrane Striche

Dieser hatte nur zwölf Jahre Zeit für seine Kunst, davon vier in französischer Internierung. Geboren 1913, ging er 1932 als Fotograf nach Paris. Die Erfahrungen mit den namhaften Künstlern in Dresden, die in seinem Elternhaus verkehrten, und besonders ein Empfehlungsschreiben des ungarischen Bauhauslehrers László Moholy-Nagy hatten Wols den Zugang zur Pariser Szene erleichtert.

Allerdings waren seine Fotografien nicht von der Art, dass sich die Touristen darum rissen, wie die Bremer Ausstellung zeigt. Dennoch, auch die stillen Winkel, die Gassen und Treppen oder die Haltung der Personen, die er porträtiert hat, zeigen das unverwechselbare Flair von Paris.

Mit filigranen Strichen, die zu Schraffur und Knäuel verdichtet werden können, zeichnet Wols in sanfter Farbigkeit stark abstrahierte Motive. Sie können zu kleinen Natur- und Alltagsdingen zusammenwachsen, aber sich auch auf Assoziationen beschränken oder ungegenständlich bleiben.

Wols ist der erste Künstler, der die fast unsichtbare Grenze zwischen Ungegenständlichkeit und Abstraktion eines Motivs zu finden sucht, ohne seine Spontaneität und Lockerheit im Zeichnen zu verlieren. Farben werden unabhängig von Formen gesetzt und fügen der Komposition eine eigene Ebene hinzu.

Neue Blicke

Sicher ist in der Zartheit der Strichführung einzelner Figurenzeichnungen eine Beziehung zu Arbeiten von Paul Klee zu spüren. Auch dürfte Jean Dubuffet nicht ohne Einfluss gewesen sein. Doch bedeutet das lediglich, dass sich Wols mit seinen Zeitgenossen auseinandersetzt.

Die Hängung der Ausstellung in Bremen ist selbst eine emotional subjektive Leistung, sie folgt weder kunstkritischen Kategorien, noch hat sie einen roten Faden. Das mag irritieren wie der Titel „Circus Wols“. Ihm entsprechend folgt Überraschung auf Überraschung, und die einzelne Arbeit welchen Künstlers auch immer besticht weniger durch Teilhabe an einer Stilgruppe als durch ihre Kraft zu einem neuen Blick, zur Alternative.

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