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Das Erste Buch Jungautoren schreiben für Erstklässler

BREMEN - Die beiden Bremer Erstklässler Veronika und Musa halten stolz „Das erste Buch“ in den Händen. Sie blättern eifrig, halten hier und da kurz inne, bewegen ihre Lippen beim Versuch, die Geschichten zu lesen. „Ich habe schon ganz viele Bücher zu Hause, aber das hier ist echt toll“, sagt die sechsjährige Veronika. Musa machen die vielen Buchstaben noch etwas mehr Probleme. „Aber ich will unbedingt lesen lernen. Und hier sind auch tolle Bilder drin“, sagt der sieben Jahre alte Junge.

Besonderes Geschenk

Die beiden Kinder haben im Dezember, wie alle anderen Bremer Erstklässer auch, ein ganz besonderes Geschenk bekommen: „Das erste Buch“, ein Projekt, bei dem Drittklässler für Erstklässler Geschichten zu jedem Buchstaben des Alphabets schreiben und Bilder malen.

Dieses Jahr gibt es Geschichten zu Wörtern wie Badeschaum, Geizhals, Torwart und Unterhose. Damit soll die Lust am Lesen und Schreiben, aber auch die Integration und Gemeinschaft bei den Kindern gefördert werden. Zu den Initiatoren gehören Bülent Uzuner, Vorstandsvorsitzender der Firma BTC Business Technology Consulting mit Hauptsitz in Oldenburg und der Bremer Verleger Hermann Schünemann. Nach den schlechten Ergebnissen der Pisa-Studie haben sie und weitere Unternehmer sich die Frage gestellt, was man tun könnte. „Meine Idee war dann, Bücher von Kindern für Kinder zu veröffentlichen“, erinnert sich Uzuner. Er habe bemerkt, dass seine zehnjährige Tochter die Aufsätze aus der Schule ihrer kleinen Schwester vorgelesen hat. „Sie fand das ganz besonders toll, das hat mich auf den Gedanken gebracht“, sagt Uzuner.

Eigens dafür wurde der Verein „Das erste Buch e.V.“ gegründet, in dem Uzuner Vorstandsvorsitzender ist. Seitdem wurden knapp 200 000 Bücher mit einem Gesamtwert von 1,8 Millionen Euro – von Sponsoren finanziert – an die Erstklässler verschenkt.

Im ersten Jahr nur in Bremen, aber danach sind fast jährlich weitere Städte und Landkreise hinzugekommen, die eine eigene Ausgabe des ersten Buches bekommen. Auch in Oldenburg, Bremerhaven, Gütersloh, Essen, dem Landkreis Leer und dem Landkreis Osnabrück bekommen die Kinder ein Buch mit den Geschichten der älteren Schüler geschenkt. In Bremen schreiben in jedem Jahr bis zu 72 Klassen, das sind etwa 1500 Kinder, an dem Buch mit. Zu Beginn waren es rund 500 Kinder.

Claudia Blieferdich-Daum koordiniert das Projekt für die BTC in Oldenburg. Sie lädt alle Grundschulen zur jährlichen Auslosung der Buchstaben ein. „Leider hat das Alphabet nur 26 Buchstaben – meist habe ich aber mehr Klassen“, sagt sie. In Oldenburg haben im vergangenen Jahr 13 Schulen an der Aktion teilgenommen. „Manchmal schreibt eine Klasse dann die Geschichte, und die andere malt das Bild dazu“, erklärt sie.

Wenn um den Nikolaustag herum „Das Erste Buch“ an die Erstklässler verteilt wird, sei die Freude groß. „Alle Namen der Schüler werden in dem Buch veröffentlicht, da sind die Drittklässler immer richtig stolz“, sagt die Koordinatorin. Natürlich können nicht alle Geschichten gedruckt werden. Die Auswahl treffen die Schüler der jeweiligen Klasse selbst. „Die Idee ist, dass die Geschichten in der Schule vorgelesen werden und die Kinder dann entscheiden. Wenn das getan, kann gemalt werden“, erzählt Blieferdich-Daum.

Die Bilder sucht die Koordinatorin aus und schickt das Ganze dann an den Bremer Schünemann-Verlag. „In Oldenburg haben wir eine Auflage von etwa 2500 Stück“, sagt Blieferdich-Daum. Die Sponsoren für die Finanzierung werden pro Ausgabe besucht.

Schönster Moment

„Wenn man das Buch druckfrisch in der Hand hält, ist man vom Produkt begeistert. Der schönste Moment ist aber, wenn man das Buch an die Kinder übergibt und sieht, wie die sich freuen“, sagt der Bremer Verleger Hermann Schünemann. Für sein Engagement wurde er mit dem zweiten Platz beim Deutschen Bürgerpreis ausgezeichnet. Deutschlands größter bundesweiter Ehrenamtspreis zeichnete in diesem Jahr Projekte zum Themenschwerpunkt „Bildung! Gleiche Chancen für alle“ aus.

Die Bremer Grundschullehrerin Heike Lehmkuhl ist begeistert von dem Projekt. „Von den Kindern hat nur ein Bruchteil Bücher zu Hause“, meint sie. „Vielen Kindern wird Lesen als nicht mehr so wertvoll dargestellt. Viele spielen heute eher am Computer oder mit Videospielen.“

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„Jede Stadt, die auch bei dem Projekt mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen, sich bei uns zu melden“, sagt Bülent Uzuner. Ihn motiviere die Begeisterung in den Augen der Kinder, wenn sie ihr erstes Buch in die Hand gedrückt bekommen.

„Das erste Buch“ wird von Drittklässlern für Erstklässler geschrieben und gemalt. Der „Pisa-Schock“ 2001 war der Anlass für das Projekt. Unternehmer aus der Region hatten die Idee, ein Buch von Kindern für Kinder produzieren zu lassen, um Lesen und Schreiben zu fördern. In Oldenburg hat „Das erste Buch“ eine Auflage von 2500 Stück. 13 Schulen haben im vergangenen Jahr bei der Aktion mitgemacht.Der Verein „Das erste Buch e.v“ hat bisher knapp 200 000 Bücher mit einem Gesamtwert von 1,8 Millionen Euro an Erstklässer verschenkt. Verteilt wird das Buch an alle Erstklässler – unabhängig davon, ob ihre Schule an dem Projekt teilgenommen hat, oder nicht.

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