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Geschichte Ort des Grauens wird Gedenkstätte

Irene Güttel

BREMEN - Wilder Wein wuchert an den meterhohen Betonwänden. In den Ritzen blühen Unkraut und kleine Sträucher. Vogelgezwitscher erfüllt die riesige Halle, unter der Decke nisten Fledermäuse. Wie ein verwunschener Ort liegt der Bremer Bunker „Valentin“ am Weserufer. Die Gegenwart verschwimmt, die Vergangenheit rückt beklemmend nah. Der rissige Beton, die rostigen Stahlträger – alles scheint vom Leid der Zwangsarbeiter zu erzählen.

Geld von Bund und Land

66 Jahre nach Kriegsende soll Europas zweitgrößter überirdischer Bunker (nur der im französischen Brest ist größer) nun zur Gedenkstätte werden. 3,8 Millionen Euro zahlen Bund und Land dafür. Zum offiziellen Projektstart an diesem Sonntag wird auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) erwartet.

Noch heute dokumentiert der U-Boot-Bunker im Ortsteil Farge den Größenwahnsinn von Hitler-Deutschland: 426 Meter lang, 97 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Durchschnittlich 10 000 Menschen schufteten täglich auf der Baustelle, Tag und Nacht. Nach der Fertigstellung sollte alle drei Tage ein U-Boot vom Typ XXI – der Wunderwaffe der Nazis – die Werft verlassen. Doch dazu kam es nicht mehr. Britische Bomben rissen im März 1945 tiefe Löcher in die Decke und zerstörten damit jede Hoffnung der Nationalsozialisten, den Ausgang des Zweiten Weltkriegs noch wenden zu können.

Die Gedenkstätte ist eine gewaltige Aufgabe für Marcus Meyer und seine Kollegin Christel Trouvé, nicht nur wegen der Größe. Die beiden Historiker haben ein Konzept für den künftigen Denkort erarbeitet, das in den kommenden fünf Jahren umgesetzt werden soll. Es sieht Führungen, eine interaktive Ausstellung und Multimedia-Guides vor.

Zurzeit plagen sich die beiden aber vor allem mit dem Zustand des betagten Bauwerks herum. Das Mauerwerk ist rissig, der Beton porös. Immer wieder fallen Trümmer herab, die Besucher verletzen könnten. Deshalb sollen vorerst nur angemeldete Gruppen das Gelände betreten dürfen. Erst wenn Wege in sicherem Abstand zur bröckligen Fassade abgesteckt sind, werden Besucher den Koloss auf eigene Faust umrunden können.

1300 Menschen starben

Stelen entlang des Pfades sollen über die Entstehung des Bunkers und die unmenschlichen Arbeitsbedingungen auf der Baustelle informieren. Tausende KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter mussten dort bis an die Grenzen ihrer Kraft Beton mischen, tonnenschwere Stahlteile herankarren oder Eisendraht flechten. 1300 Menschen starben.

Durch ein Tor werden die Besucher später die Ausstellung im noch intakten Teil des Bunkers betreten können. Feucht-kalte Luft schlägt einem im Innern entgegen. Höchstens zwölf Grad und rund 80 Prozent Luftfeuchtigkeit – für die geplante Ausstellung sind die Bedingungen eine Katastrophe. Deshalb wollen die Planer einen Würfel in der weitläufigen Halle einziehen oder eine andere Abtrennung schaffen, damit eine Heizung eingebaut werden kann. Auch die angrenzende Ruine soll später für Besucher zum Teil offen stehen.

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