BREMEN - Der russische Soziologe und Schriftsteller Victor Zaslavsky wird für sein Buch „Das Massaker von Katyn“ mit dem Hannah- Arendt-Preis für politisches Denken 2008 ausgezeichnet. „Zaslavskys schockierende Analyse des Massenmordes der sowjetischen Partei- und Staatsführung an Tausenden polnischen Offizieren und Zivilisten 1940 ist ein wichtiger Beitrag zum Verstehen der europäischen Geschichte“, heißt es in einer Mitteilung vom Donnerstag zum Urteil der Jury. Der mit 7500 Euro dotierte Preis der Stadt Bremen und der Heinrich-Böll-Stiftung wird am 5. Dezember in Bremen überreicht.

Zaslavsky richte den Blick auf eines der größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Zweiten Weltkrieges und dessen jahrzehntelange Verschleierung durch die sowjetische Staatsführung, hieß es weiter. Die Jury habe den Mut des Autors gewürdigt, gegen das Schweigen anzugehen. Das Buch erschien 2007 in deutscher Erstausgabe.

Victor Zaslavsky wurde 1937 in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, geboren. Vor seiner Emigration 1975 lehrte er dort an der Universität Soziologie. Anschließend unterrichtete er unter anderem an der Stanford University in Kalifornien, in Florenz und Venedig und lehrt derzeit Politische Soziologie in Rom. 2007 erhielt der britische Historiker Tony Judt die Auszeichnung.

Der Preis erinnert an die aus Hannover stammende deutsch-jüdische Denkerin und Publizistin Hannah Arendt (1906–1975). Sie musste 1933 aus Deutschland fliehen. Später arbeitete sie als Professorin in den USA.

International bekannt wurde sie unter anderem mit einem Buch über den Totalitarismus. Publizisten, Politiker und Wissenschaftler riefen den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken 1994 in Bremen ins Leben.

Am 1. Juli 1999 wurde das „Hannah-Arendt-Zentrum“ an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg eröffnet. Ein Schwerpunkt des Zentrums ist das Archiv, das den größten Teil des archivierten Nachlasses von Arendt in Washington enthält. Der Nachlass besteht aus dem umfangreichen Briefwechsel Hannah Arendts, aus Notizen, Vorlesungsmanuskripten, Tagebüchern und den verschiedenen Druckfassungen ihrer Werke. Der Bestand wird laufend ergänzt.