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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Klassik: Aufschrei der verwundeten Seele

03.02.2020

Bremen Die Oper „Jakob Lenz“ von Wolfgang Rihm basiert auf der Erzählung „Lenz“ von Georg Büchner, und sie trägt die Bezeichnung „Kammeroper“. Es gibt nur drei Rollen und das Orchester besteht aus nur elf Musikern: Drei Celli, zwei Oboen, Kontrafagott, Fagott, Trompete, Posaune, Schlagwerk und Cembalo.

Uraufgeführt wurde „Jakob Lenz“ 1979 in Hamburg und hat seitdem unzählige Inszenierungen erlebt. Es gibt keine Handlung im eigentlichen Sinne. Dafür wird die psychische Krise des Sturm-und-Drang-Dichters Jakob Lenz (1751-1792) in 13 Szenen und vielen Monologen abgehandelt.

Lenz hält sich zur Erholung beim Pfarrer Oberlin auf und wird dort auch von seinem Freund Kaufmann besucht. Aber er bekommt seine Probleme nicht in den Griff. Diese sind vielfältig; Die Loslösung vom Vater, der Zweifel an seinem eigenen Schaffen, die Konflikte mit der Religion, die Suche nach seiner Stellung in der Gesellschaft, von der er sich unverstanden fühlt, und nicht zuletzt seine unerwiderte Liebe zu Friederike Brion –in einer stummen Rolle von Sibylle Bülau verkörpert. Er hört innere Stimmen und ist dem Wahnsinn nahe. Und so kommen Kaufmann und Oberlin letztendlich zu dem Schluss, dass Lenz nicht mehr zu helfen sei.

Ausstatterin Jil Bertermann hat auf der eigentlichen Bühne ein „anatomisches Theater“ gebaut. Dieses besteht aus steil ansteigenden Rängen in kreisrunder Anordnung. Vorbild war das 1594 in Padua gebaute anatomische Theater, wo öffentlich Leichen obduziert wurden. Analog wird in „Jakob Lenz“ die Seele der Titelfigur seziert. Diese Bühnenkonstruktion bietet einen sehr intimen Rahmen und lässt die Zuschauer hautnah an den Seelenqualen von Jakob Lenz teilhaben.

Regisseur Marco Štorman ist es gelungen, dieses Psychogramm zu einem Theaterabend voller Spannung zu formen. Das Schicksal von Jakob Lenz wird nachvollziehbar und geht direkt unter die Haut. Es sind insgesamt 75 Minuten, die wie im Fluge vergehen.

Das ist auch Claudio Otelli zu verdanken, der den Lenz mit atemberaubender Intensität gestaltet. Die Partie ist stilistisch ein wenig mit der des Wozzeck vergleichbar. Sie wechselt zwischen Gesang, Sprechgesang und gesprochenem Wort – mit häufigen Ausflügen in die Kopfstimme. Otelli bewältigt diese Mammutaufgabe mit Bravour. Da wird jede Nuance in Spiel und Stimme zum Ereignis. Seine expressive Gestaltung und seine physische Präsenz sind über die gesamte Spieldauer gefordert.

Aber auch Christoph Heinrich als Oberlin und Christian-Andreas Engelhardt als Kaufmann erfüllen ihren Part mit viel Ausdruck. Die inneren Stimmen, von denen Lenz quälend heimgesucht wird, werden von sechs Sängerinnen und Sängern des Chors ausgefüllt. Der Kinderchor hat zudem symbolträchtige Aufgaben. Die Musiker der Bremer Philharmoniker unter der Leitung von Killian Farrell bringen die Musik von Rihm bestens zum Klingen. Ein Opernabend, der keinen unberührt lässt!

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