BREMEN - Ist es wirklich schon 20 Jahre her, dass Anna Maria Kaufmann als Christine im „Phantom der Oper“ bezauberte? Es muss wohl so sein, denn mit ihrer derzeitigen Tournee „Musical Diva“ feiert sie ihr Bühnenjubiläum. Im Bremer Musical-Theater präsentierte sie Höhepunkte aus Musicals höchst gekonnt und abwechslungsreich.

Obwohl sie vor allem als Musical-Sängerin bekannt ist, darf man nicht vergessen, dass sie auch in der Oper Erfolge feierte – immerhin sang sie in „La Traviata“ oder „Lucia di Lammermoor“. Und den klassischen Hintergrund merkt man an der Qualität ihrer Stimme, die stets rund und warm, in der Höhe mühelos und unforciert klingt. Dabei beherrscht sie das Musical-Idiom natürlich bis in die Fingerspitzen. Und sie erweist sich als sympathische Entertainerin, die charmant durch ihr Programm führt.

Das enthielt größere Blöcke aus „Cabaret“, „West Side Story“ und natürlich „Phantom of the Opera“. Ihr zur Seite stand Johnny Zatylny, ein Sänger mit reizvoller Stimme, aber eher zurückhaltender Bühnenpräsenz. Daran mangelt es der Kaufmann nun gar nicht: Wie sie auch tänzerisch gekonnt über die Bühne wirbelte, augenzwinkernd den „Vamp“ gab und sich auf dem Klavier räkelte oder mit „Don’t cry for me Argentina“ große Gefühle transportierte – das hatte Klasse und Format.

Besondere Höhepunkte im Programm, das den „Moon of Alabama“ von Brecht/Weill wie selbstverständlich neben den Udo-Jürgens-Hit „Immer wieder geht die Sonne auf“ stellte, waren „Hijo De La Luna“ und eine hinreißende Version von „Barcelona“, beides Titel, die man von Montserrat Caballe im Ohr hat, die aber in der Interpretation von Kaufmann mindestens ebenso begeisterten.

Für gute Show-Elemente sorgten Mitglieder vom Deutschen Showballett Berlin mit schwungvoller Choreografie. Die achtköpfige Band mit Adrian Werum am Piano, der auch für die sehr guten Arrangements verantwortlich zeichnete, sorgte stets für den angemessenen Sound und glänzte auch solistisch. Zweieinhalb Stunden, die rundum begeisterten und keinen Wunsch offen ließen.