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Konzert Im Alter jugendliche Frische entdeckt

Horst Hollmann

BREMEN - Der könnte einem glatt auf den Wecker gehen, dieser Hund, der sich so penetrant durch den Mittagsschlaf des Hirten bellt! Genussvoll muss dessen Traum sein, gemessen an den sanft wiegenden Terzenparallelen der Violinen. Doch Vivaldi hat im „Frühling“ seiner „Vier Jahreszeiten“ diese kläffenden Einwürfe der Bratschen einkomponiert. Und selbstredend wissen die elf Streicher und der Cembalist von „I Musici”, welche Darstellung sie den abgerissenen Tönen schuldig sind.

Seit 1952 zelebrieren die römischen Musiker das „Largo e pianissimo sempre”. In solchen zwei Minütchen offenbart sich die Weiterentwicklung, die das wohl älteste Kammerorchester der Welt bis zum aktuell umjubelten Auftritt in der Bremer Glocke vollzogen hat. Für viele Zuhörer mag er ein Rendezvous mit der eigenen Jugend gewesen sein.

Knurrender Hund

Millionenfach haben die Musici di Roma den „Jahreszeiten”-Hit in die Welt gebracht. Ganz frühe ihrer sechs Aufnahmen belegen, dass sie in ihrer ersten Glanzzeit die betörende Schläfer-Melodie betonter nach vorn gezogen haben und den Hund nur im Hintergrund knurren ließen. Jetzt ist ihr Kläffer bissiger geworden. Nun dringt es aus den Amati-Geigen, Guarneri-Bratschen oder Carcassi-Celli keineswegs so schroff oder knarzig wie bei wirklichen Neutönern der Alten Musik. Aber die Italiener haben sich bezaubernd von ihrer in den 90er-Jahren belastend gewordenen Tradition des glatten Strichs befreit.

Straff und brillant ist ihr Spiel, affektreich, rhetorisch, gestenreich. Wer singt Gänsehaut-Melodien so innig? Wer könnte langsame Sätze derart erfüllen? Wer lässt so fantasievoll durchs gezupfte Continuo-Cello eine Theorbe nachahmen? Anders als bei federnd tänzerischen Betonungen spielen die Musici die Notenwerte meist ganz aus. Das gibt ihren Gestaltungen Gewicht. Die langen Rubati gewinnen Logik.

Primgeiger ist seit 2003 Antonio Anselmi, ein glänzender Nachfolger legendärer Konzertmeister. Rasanz und Schärfe sind ihm nicht fremd, aber faszinierend ist seine Geschmeidigkeit.

Persönlicher Charakter

Vivaldis Poesie rückt er in eine Nähe zur venezianischen Lichtmalerei des 18. Jahrhunderts. I Musici, das zeigen im Programm weitere Violin- und Cellokonzerte von Vivaldi oder die Follia-Variationen von Geminiani, zetteln keine Revolutionen an wie ihre Landsleute vom „Giardino armonico”. Aber sie sind durch kluge Reformen wieder ein Ensemble von ganz persönlichem Charakter geworden.

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