BREMEN - Den Hochzeitstag vergessen? Spätnachts angetrunken nach Hause gekommen? Die schmutzigen Socken wieder einmal im Badezimmer liegen gelassen?

Da kann der Haussegen schon mal schnell schief hängen. Aber eine Eintrittskarte für Lionel Richie (59) entschädigt für nahezu jede Verfehlung. Warum? Weil der amerikanische Pop-Titan so schön von großen Gefühlen, Treue und Vergebung singt. Da schmelzen die Frauenherzen hin, da wird so mancher vermeintliche Fehltritt des Partners im Handumdrehen verziehen.

Viel Charme

Zum zweiten Mal nach 2007 bot Richie im Bremer AWD-Dome am Sonntagabend eine Art PaarTherapie an. Und die ging so: schmusige Akkorde, ein sanfter Rhythmus, dazu feine Melodien und ganz viel Charme, und schon sah man sogar die coolsten Männer mit ihren berauschten Partnerinnen einträchtig schwofen.

Lionel Richie kennt das Procedere, er weiß, wie die Mischung aus gefühlvollen Balladen und feurigen Tanznummern sein muss, damit alle glücklich sind. Also spielte er sie immer hübsch abwechselnd, die flotten Stücke wie „Dancing On A Ceiling“, „All Around The World“ oder den Commodores-Hit „Brick House“, bei denen die gut 7000 Anwesenden enthusiastisch aufsprangen und im Groove der Lieder die Hüften kreisen ließen; und die leisen, sanften Lieder, bei denen sich so vortrefflich im Sitzen kuscheln lässt.

Wer am Sonntagabend bei Eintrittspreisen zwischen 50 und 75 Euro seine kriselnde Beziehung nicht wieder schnell ins Lot brachte, sollte sich vorsichtshalber schon einmal einen Anwalt nehmen. Und der wird deutlich teurer.

Lionel Richie braucht zurzeit keinen juristischen Beistand. Zwei Ehen sind zwar gescheitert, aber sein unwiderstehlicher Charme hat darunter nicht gelitten. Denn der Mann flirtete ohne Unterlass.

Nicht aufdringlich und auch weniger verbal, sondern eher mit seinen Augen, die fortwährend leuchteten, mit seinem Mund, der so sympathisch lächeln kann, und mit seinem Humor, den er auch auf die Interaktion mit seiner Band ausdehnte: Seinem Gitarristen entzog er so häufig das Mikro beim Chorgesang, dass der blonde Musiker schließlich Richies Hand festhielt, um endlich zu seinem Einsatz zu kommen.

Frenetischer Beifall

Diese kleine Kabbelei war sicherlich eine einstudierte Showeinlage, wirkte aber dennoch spontan und ungemein sympathisch.

Um kurz nach 22 Uhr dann war für alle Beteiligten die Welt in Ordnung: Lionel Richie genoss den frenetischen Beifall seiner begeisterten Anhänger, und auf dem Parkplatz sah man anschließend die meisten Paare Arm in Arm ihrem Auto zusteuern. Die Anwaltskammer hätte diesen Abend sicher gern verboten.