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Konzert Schöner Klang einmal völlig hemmungslos

Volker Timmermann

BREMEN - Sie heißen „Concordia“ oder „Harmonia“, und sie sind eine reine Männer-Angelegenheit. Glaubt man dem Klischee, so ist ihr Platz in den Hinterzimmern der Gastronomie, sie singen dort, wo es nach kaltem Qualm riecht und nach Bier.

In der vornehmeren Bremer „Glocke“ liegt Parfüm in der Luft. Auch dort singt ein Chor nur mit Männerstimmen. Mit der ehrenwerten Tradition der Männergesangvereine hat der „Estnische Nationale Männerchor“ dennoch nichts zu tun – er ist der einzige professionelle Männerchor der Welt und singt auf beeindruckend hohem Niveau. Schon am Anfang des „Philharmonischen Konzerts“ zaubern die Sänger in Schuberts „Gesang der Geister über den Wassern“ mit den tiefen Streichern der Bremer Philharmoniker und deren Dirigent Markus Poschner eine weihevolle Atmosphäre herbei.

Wuchtig

Und in Brahms’ „Altrhapsodie“ gehen die Esten mit dem Orchester eine innige Symbiose ein. Die Mezzosopranistin Randi Stene singt ohne Überdruck, stattdessen sensibel empfindend. Auch beim Werktitel „Credo“ denkt man an Chorgesang. Doch P?teris Vasks hat sein Werk ohne menschliche Stimmen komponiert. Dafür verschaffen Poschners Philharmoniker der Musik Wucht in großer Besetzung, auch eine Organistin und Schlagwerker wirken mit. Dennoch fängt es leise an, dieses neue Werk, das der längst weltbekannte lettische Komponist im Auftrag der Bremer Philharmonischen Gesellschaft komponiert hat.

Vasks lässt eine Klarinette erzählen, danach die Streicher sich in idyllischen Motiven aussingen. Im Programm nennt Vasks den Orchestergesang ein „ruhendes Gebet“. Dann schwillt das Orchester weiter an bis zum Forte und bleibt lang im ganz großen Klang, bis der Anfang zurückkehrt. Auch von „allmächtiger Liebeskraft“ und „hymnischem Lobgesang“ ist im Programm zu lesen.

Späte Romantik

Vasks pfeift in seinem „Credo“ auf manch Prämisse der Neuen Musik. Wenn er von „Harmonie“ schreibt, so ist das wörtlich zu hören im Verzicht auf Freitonalität und durch hemmungslose Hinwendung zum Schönklang. Manchmal klingt es nach spätester Romantik, im Dauer-Fortissimo des Mittelteils auch nicht eben kontrastreich. Damit ist Vasks’ „Credo“ sicher nicht als innovativer Beitrag zur Avantgarde.

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