BREMEN - Phänomen Chris de Burgh: Wie kann man nur so ein Konzert beginnen? Ein Mikrofon steht im gleißenden Licht. Ein Licht, das suggeriert, dass hier gleich die zehn Gebote überreicht werden. Weihevoll schreitet de Burgh mit federnden Schritten in den biblischen Lichtstrahl. Ein huldvolles Winken später jubeln ihm freundlich reserviert rund 4500 Besucher in der fast ausverkauften Halle 7 in Bremen von ihren Sitzplätzen aus zu. Der irische Barde verneigt sich würdevoll und beginnt das Konzert mit Light On The Bay und Have A Care aus seinem aktuellen Album Moonfleet & Others Stories.
Als die 62-jährige Lichtge-stalt des Soft-Rocks mit einer beschwingten Handbewe-gung sein Publikum zum Mitsingen auffordert: Schweigen! Auch beim bekannten Missing You und Ship To Shore: kaum Publikumsreaktion.
Das würde manchem Star wohl den Schweiß auf die Stirn treiben! Aber nicht Chris de Burgh. Er weiß, wie man sein Publikum knackt. Also er-zählt er, wie gern er immer in Bremen sei, dass es ein ganz toller Abend werde, denn: Wir erzeugen heute Abend wundervolle Träume nur für euch. Dabei wirkt dieser Megastar so sympathisch und freundlich, als sei er der nette Kerl von nebenan, der es immer noch nicht fassen kann, dass er abends in einer fast ausverkauften Messehalle musizieren darf.
Das darf er aber! Und da er auf seinem aktuellen Album eine wilde Schnurre rund um Seeräuber, Schmuggler, Diamanten und Liebe entspinnt, lässt er es sich natürlich nicht nehmen, diese Geschichte in einem sehr langen Monolog wiederzugeben. Wenig später besteigt er einen efeuumrank-ten Thron, stimmt mit beein-druckend voller Stimmte die Ballade My Hearts Surren-der an, lustwandelt über die Bühne auf der zwei Piraten-schiffe stehen. Die ganze Performance ähnelt einem Musical. Sein Publikum reagiert mit wohlgesinntem Applaus.
Doch de Burgh hat noch Hits en masse in petto und legt nach knapp eineinhalb Stunden mit seiner genialen Band und glasklarem Sound los: The Words ,I Love You, Dont Pay The Ferryman und ein druckvolles The Getaway. Bei Lady In Red nimmt der angeblich 1,68 Meter große Sänger ein Bad in der Menge, verschwindet zwischen seinen Fans, die er herzt und die es mittlerweile nicht mehr auf den Stühlen hält. Nach insgesamt zweieinhalb Stunden endet er mit High On Emotion und verlässt zu Go Where Your Heart Believes durch das Publikum mit großer Geste den Saal. So beendet man ein Konzert. Ein Konzert, wie es wohl nur Chris de Burgh geben kann.
