BREMEN - BREMEN - „Erinnerung an die Erinnerung“ nennt Peter Ruzicka oft das, was ihn in seiner Musik und im Leben bewegt. Am Donnerstagabend präsentierte er in der Glocke mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen im Netz der Geschichte aufgespannte Musikwerke.

Ein Spätwerk von Richard Strauss, seine Metamorphosen, bildeten den Auftakt. Es ist „der Widerschein meines gesamten vergangenen Lebens“ lässt der Komponist verlauten.

Abgesehen von einem Beethoven-Zitat, spielt Strauss auf Goethes Metamorphosen-Lehre an, denn die unveränderlichen Motive erscheinen in sich stetig wandelnder Umgebung immer wieder neu. Leider war das kaum zu hören, da Ruzicka die Modulationswunder zu weiten Klangströmen verkleisterte. Ungünstig zudem, dass anscheinend einzelne Saitenstimmungen dem Titel alle Ehre machten.

Erfrischend und vielleicht der große Triumph des Abends war darauf die Deutsche Erstaufführung von Wolfgang Rihms Konzert in einem Satz für Violoncello und Orchester. Rihm komponiert so, wie er spricht: Verspricht er sich, so wird es der Ausgangspunkt folgender Gedanken. Aber auch die Stimme selbst ist Grundlage seiner Musik – er hatte sie diesmal dem Cello der jungen Tanja Tetzlaff geliehen. Sie hatte musikalisch das Orchester und emotional den Saal in ihrer Hand. Jenseits aller technischen Schwierigkeiten wurde bei ihr alles zum wechselhaften Spiel im kontrastreichen Garten der Orchesterklänge.

Als Partnerstück zu Rihm war vermutlich Schuberts 4. Sinfonie gedacht. Reich an Klangfarben, fein nuanciert und lebhaft gespielt, erklang die Tragische mit ihren wohlig traurigen Melodien als versöhnlicher Abschluss selten schön. Zuvor gab es aber noch „Ins Offene“ für die Strauss-Besetzung, ein neues Werk von Ruzicka. Der Titel verweist auf Hölderlin, doch ist es das janusköpfige Gegenstück seines 5. Streichquartetts „Sturz“. Während dort Tonbündel in die Tiefe stürzen, schossen sie in Bremen nun durch den Bühnenraum, von links nach rechts, aus der Höhe in die Tiefe und zurück.

Bis zur tosenden Nivellierung des übersteigert hitzigen Klanggeschehens bäumte sich die Musik auf, um unvermittelt in eine mal flirrende, mal atmende Faststille zu münden, dem Ort für die Rückschau. Vorangegangene Motive huschen nur noch selten vorbei und am Ende gibt es noch eine völlig unpassende Melodie: Ende gut, alles gut. Vermutlich war es ein Zitat.