BREMEN - BREMEN - Erst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff leiteten mit der Gründung der Künstlervereinigung, die bereits 1912 wieder aufgelöst wurde, die Geschichte des deutschen Expressionismus ein. Später stießen noch Künstler wie Emil Nolde, Max Pechstein, Otto Mueller oder Cuno Amiet hinzu. Die Bremer Kunsthalle konzentriert sich im Jubiläumsjahr auf das erste Jahrzehnt.

Die Ausstellung gliedert sich in drei räumlich getrennte Abteilungen: Die vollständig erhaltenen Jahresmappen, die zwischen 1906 und 1911 passiven Mitgliedern preiswert angeboten wurden und den Künstlern ein minimales finanzielles Einkommen sicherten, zeigen beispielhaft die rasche Entwicklung der grafischen Ausdruckskraft der Künstler. Diese Mappen sind ein Schatz, weil sich in ihnen mehr als in Bildern die frische Kraft der jungen Grafiker, aber auch ihre Beziehungen zur Kunst ihrer Zeit spiegeln. Impressionisten, Jugendstil- und Fauve-Kollegen hatten sich schon aus der Umarmung der Akademiker gelöst und waren, wie manche Drucke zeigen, Vorbild geworden.

Auch der Wunsch, der Natur und damit dem Ursprünglichen wieder nahe zu kommen, ist ohne Zeitgeist nicht zu verstehen: Für die „Brücke“-Künstler war der Akt das fundamentale Motiv der Kunst. Die zweite Ausstellungsabteilung rückt ihn ins Zentrum. Vom Bett-Motiv über Akte in der Natur bis zur Kokotte des Berliner Nachtlebens reicht der Bogen. Der eigentliche Sinn ist freilich, im Umgang mit den grafischen Techniken die körperlichen Formen auf einfachste Linien und Flächen zu reduzieren, ohne dabei an Ausdruckskraft zu verlieren.

In der dritten Abteilung werden in berühmten Bildern und Drucken Landschaft und Stillleben gezeigt, wobei nicht zuletzt Dangast eine Rolle spielt. Dort und in Oldenburg, wo im Kunstverein Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel 1908 ihre erste Einzelausstellung im Nordwesten hatten, fanden die expressionistischen, wilden Malereien mit einem freien Umgang ungemischter Farben Anerkennung. In Bremen jedoch nicht, und selbst der sonst mutige Museumsdirektor Gustav Pauli wies die Verantwortung für ausgestellte Arbeiten der „Brücke“-Künstler und der Kollegen vom „Blauen Reiter“ zurück.