BREMEN - Manchmal ist Clubchef Thomas Reinold auch seelische Stütze für Männer, die über ihre traumatischen Erlebnisse bei einem Piratenüberfall reden wollen. Der internationale Seemannsclub „Welcome“ gehört zu den größten der Deutschen Seemannsmission, die an diesem Sonnabend ihr 125-jähriges Bestehen feiert. Der Oldenburger Bischof Jan Janssen wird zu diesem Anlass beim Festgottesdienst um 11 Uhr in der Kirche „Unser Lieben Frauen“ predigen.

Der 29. September 1886 gilt als Gründungstag der evangelischen Organisation. Damals bildeten mehrere landeskirchliche Vereine für Innere Mission ein „Komitee für kirchliche Versorgung im Ausland“. Seither setze sich das Werk für die Würde der Seeleute ein, sagt die amtierende Generalsekretärin Heike Proske. Natürlich auch in Bremerhaven, wo erstmals in Europa hafennah ein Club für Seeleute eröffnet wurde – mittlerweile sogar mit einer eigenen interreligiösen Kapelle ausgerüstet. Jährlich kommen mehr als 30 000 Gäste.

Die schnelle Containerschifffahrt sorgte für Umbrüche. Die Seeleute hatten nicht mehr die Zeit, um lange Wege in Heime und Clubs zu gehen. „Das Geschäft wurde schnelllebiger – also kamen wir zu den Liegeplätzen der Schiffe“, bilanziert Proske. „Wir begrüßen Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe, Kultur, Nationalität und Religion“, betont Reinolds Kollegin Antje Zeller. „Es ist uns nicht wichtig, ob jemand ein Decksmann oder ein Kapitän ist.“ Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Seeleute in dunklen Hafenspelunken betrogen. Jobvermittler, die sogenannten „Heuerbaas“, verlangten Wuchergelder. Die Kirche wollte das ändern: Sie schuf Unterkünfte „für das geistliche und leibliche Wohl“. 1891 öffnete die Seemannsmission in Hamburg eine erste unabhängige Jobagentur, eine „Heuerstelle“.

Die Seemannsmission kooperiert mit ihren etwa 700 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern eng mit christlichen Seemannsmissionen auf anderen Kontinenten. Ihr Jahresetat in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro speist sich aus Kirchensteuern, Spenden und freiwilligen Schiffsabgaben der Reeder.