BREMEN - Gefährlich ist die Frage an Paavo Järvi, ob er nicht bei seinem Enthusiasmus für Beethovens Musik einmal Müdigkeit spüre. Da gerät der estnische Dirigent bei der Vorstellung des Jahresprogramms 2008 der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ins Philosophieren, Schwärmen, Dozieren und Missionieren. Müde wird da der Künstlerische Leiter des weltweit gefragten Kammerorchesters nicht einmal auf die Länge einer Sinfonie: „Mit Beethoven wird man nie fertig!“.
In der Gesamtschule Ost in Osterholz-Tenever hat der Diskurs zeitliche Grenzen. Im schmucken neuen Quartier der Kammerphilharmonie steht die nächste Probe an. Beethoven, versteht sich. Die Zweite. Die erhält den letzten Schliff für die CD-Aufnahme. Dazu treten keine beethoven-müden Musiker an. „Bei der Siebten sind wir längst weiter als auf der jüngst erschienenen Aufnahme“, empfinden Geiger Stefan Latzko und Oboist Rodrigo Blumenstock. „Die spielen wir aktuell intensiver und stringenter.“
Nun werden die Bremer und der weiter gewachsene Kreis der Musikfreunde aus dem Umland zwar auch 2008 mit Beethoven beglückt, aber nicht zugeschüttet. Hauptwerk ist die Neunte mit dem Chorfinale. Dreimal erklingt sie in der Glocke: am 28. August, am 17. und 19. Dezember 2008, zusätzlich zur Eröffnung des Beethovenfestes in Bonn und in Stuttgart.
Der August-Termin wertet ein neues Abonnement auf. Die erste Reihe war 2001 ausverkauft, die zweite 2004. Weil sich 900 weitere Interessenten gemeldet haben, bietet das Orchester, an dem die 32 Musiker unternehmerisch beteiligt sind, ein Schnupper-Abo mit drei Konzerten an. 16 Konzerte decken die gesamten Abos ab.
Fürs norddeutsche Publikum bleiben die Bremer sonst mit Brahms, Schumann, Schubert, Haydn oder Rossini vielseitig. Am 10. Januar beginnt die Saison mit einem Brahms-Abend unter Leitung von Lothar Zagrosek und mit Elisabeth Leonskaja am Klavier. Für die eigene Reputation reist das Orchester weit. Es ist „Orchestra in residence“ beim Bachfest in Leipzig, es spielt in Madrid, Zürich, Mailand oder Warschau. Dann kommt Schanghai, dort sind alle neun Beethoven-Sinfonien geplant. Wer als das Orchester gilt, „das derzeit Beethoven am kompetentesten spielt“, hat eben Verpflichtungen.
