BREMEN - Locker und leicht wirkt es, wenn „Les Musiciens du Louvre“ zu spielen beginnen. Die Probleme von Aubers „Domino noir“-Ouvertüre sind den meist jungen Musikern des bestens gelaunten Orchesters nicht anzumerken. Dafür aber die große Spielfreude und die anti-routinierte Musizierhaltung, mit der jede noch so unbedeutende Nebenstimme engagiert ausgekostet wird.

Das Ergebnis: Eine äußerst charmante Darbietung, mit der der sympathische Musikfest-Preisträger Marc Minkowski und sein in Grenoble ansässiges Orchester der diesjährigen Eröffnung des Bremer Musikfests einen klangvollen französischen Geschmack (etwa Berlioz, Bizet, Godart, Offenbach) verliehen.

Dabei zeigte sich die „Große Nachtmusik“ gewohnt vielseitig: in drei Zeitschienen und gleich sieben Spielstätten rund um Dom, Glocke und Rathaus entfaltete sich in Bremen ein buntes musikalisches Treiben, in dem das Genre „klassische Musik“ aus denkbar vielen Blickwinkeln leuchtete.

Man präsentierte renommierte Musiker. Etwa Viktoria Mullova, die – seit Jahrzehnten in der Violin-Elite spielend – nun ihre Neigung zur Barockvioline entdeckt hat. Mit dem klanglich ebenbürtigen Barockgeiger Giuliano Carmignola gestaltete sie diverse Vivaldi-Doppelkonzerte als Demonstration rauschhaft rasanter Violin-Virtuosität, unterstützt vom luftig und markant spielenden Venice Baroque Orchestra (Leitung: Andrea Marcon).

Nicht ganz so weit gereist war das Hamburger Originalklang-Ensemble „Elbipolis“, das zu einer ebenso spannenden wie gekonnt musizierten Entdeckungsreise in die Zeit der Hamburger Gänsemarktoper (um 1700) einlud, und so der Musikfest-Eröffnung auch eine hanseatische Note gab. Kammermusikalische Kontraste setzten die Bratschistin Esther van Stralen im Duo mit Pianist James Lisney oder der Klarinettist Michael Riessler, der mit Pierre Charial (Drehorgel) einen Blick auf das Pariser Musikleben der 1920er Jahre warf.

Schon traditionell gehört zur Musikfest-Eröffnung auch der Gang über die Grenzen des „Klassischen“ hinaus, diesmal gekonnt erledigt vom Caribbean Jazz Project um den Vibraphonisten Dave Samuels und die Saxofon-Legende Paquito D’Rivera. Nur gut, dass auch das Wetter ein einsehen hatte: Noch weit nach Konzertende belebten viele Besucher die Innenstadt und ließen einen Abend voller Höhepunkte ausklingen.