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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Eine Inszenierung nahe am Offenbarungseid

03.04.2018

Bremen „Die Fledermaus“ von Johann Strauß hatte in einer Inszenierung von Felix Rothenhäusler und unter der musikalischen Leitung von Yoel Gamzou eine unterschiedlich aufgenommene Premiere in Bremen.

Die Operette ist das erklärte Lieblingswerk des Bremer Musikdirektors Yoel Gamzou. Und das merkt man seiner Wiedergabe am Pult der Bremer Philharmoniker in fast jedem Takt an. Schon die mit vielen Generalpausen sehr individuell gestaltete Ouvertüre überzeugt, auch im eigenwilligen, aber gekonnten Spiel mit Tempowechseln. Gamzou gelingt eine schmissige, mitreißende Interpretation, geprägt von feinem Sinn für Details und nie versiegender Intensität, wenn man vom etwas matten Terzett im 3. Akt einmal absieht.

Rein musikalisch überzeugt die Produktion auch mit einem homogen besetzten Sängerensemble, allen voran Patricia Andress mit ihrem temperamentvollen Csardas als Rosalinde. Aber auch Birger Radde als viriler Eisenstein, Ulrike Mayer als Orlofsky, Marysol Schalit als freche Adele und Marian Müller als Dr. Falke machen ihre Sache gut. Hyojong Kim bleibt als Alfred etwas unter seiner gewohnten Form.

Die „Inszenierung“ von Felix Rothenhäusler aber kommt einem Offenbarungseid gleich. Die Solisten stehen aufgereiht an der Rampe und singen frontal ins Publikum. Blickkontakte gibt es kaum. Ein wie auch immer geartetes Spiel findet nicht statt. Auch ein Bühnenbild gibt es nicht, dafür senken und heben sich mehrere lilafarbene und geraffte Vorhänge im Zehn-Sekunden-Takt.

Auf- und Abtritte kommen ebenfalls nicht vor. Immer, wenn ein Solist verschwindet oder hinzukommt, findet das hinter dem Vorhang statt. Selbst bei Positionswechseln werden die Vorhänge bemüht. Das ist schlicht nervtötend und ätzend.

Die Dialoge wurden von Tobias Haberkorn bearbeitet. Orlofsky sagt bei jeder Gelegenheit nur immer „Na, bravo“, Eisenstein erzählt die Geschichte von Falkes Fledermauskostüm, was vom Chor unisono mit einem staccatohaften „Ha, ha, ha, ha“ kommentiert wird. Die Szenen mit dem Gefängnisdiener Frosch sind zur Unkenntlichkeit verstümmelt und eine einzige Katastrophe – völlig frei von Witz und Geist.

Alle Solisten und Choristen, also auch die Herren, treten in Frauenkleidern auf, warum auch immer. Zu der eingeschobenen Polka dreht sich der Frosch ständig im Kreis – rein körperlich imponierend von Hauke Heumann durchgeführt. Aber mit Persiflage und „Entstaubung“ hat all das nichts zu tun. Die Frage muss gestattet sein, welches Bild der Regisseur und die Theaterleitung von ihrem Publikum haben. Veräppeln kann man sich auch allein.


Alle NWZ-Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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