BREMEN - BREMEN - Gespannte Neugier herrscht im Konzertsaal. Da, ein Schrei aus dem Backstagebereich. Jetzt kann das Spektakel beginnen. „Erlebnisse“ stehen auf dem Programm von Nigel Kennedy, Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi.

Bremen ist die zweite Station seiner „Experience Tour“ durch 13 große deutsche Städte. Über 1000 Besucher erleben einen höchst fröhlichen, immer freundlichen Geigenvirtuosen, jederzeit zu einem Späßchen aufgelegt, zwischen den einzelnen Sätzen genauso wie während seines Spiels mit dem überragenden „Polnischen Kammerorchester“. Dabei wirkt er aber nie unkonzentriert.

Bei einem Nigel- Kennedy-Konzert ist so ziemlich alles anders, was nur anders sein kann. In Schwarz-Weiß tritt er zwar auf, aber wie! Springerstiefel, mit denen er heftig stampfend oft das Tempospiel antreibt, eine ziemlich zipfelige Seidenjacke, unter der sein zotteliges Palästinensertuch herausschaut. Es war einmal eine Punkfrisur, heute ist sie salonfähig. Richtig edel ist nur sein Instrument, eine Guarneri-Geige aus dem Jahr 1735.

Selbstverständlich stehen auch in der Glocke die Kompositionen im Vordergrund. Aufregende Phrasierungen begeistern ebenso wie das oft atemberaubende Spieltempo, bei dem sein Bogen über alle Saiten der Geige zu fliegen scheint. Dabei tritt er immer wieder in einen aufregenden „Showkampf“ mit anderen Solisten und zu guter letzt mit allen Orchestermusikern. Auch wenn es gelegentlich deutlich hörbar kratzt und schabt, eine Saite nicht willig anspricht, er sprüht nur so vor Lust und Spielfreude und versteht es über drei Stunden, sein Publikum mit auf eine waghalsige Konzertreise zu nehmen. Das gelingt ihm perfekt.

Es mag bessere Geiger geben, die näher an der Komposition bleiben, eine feinere Intonation pflegen, sich mehr der Tradition verpflichtet fühlen, aber Kennedy macht Musik zur Freude. Nur das zählt bei ihm, und dabei ist das Spiel des viel geliebten Geigenrebells höchst virtuos. Langsame Sätze kostet er unendlich weit aus wie im „Violinkonzert a-moll BWV 1041“ von J. S. Bach oder dem herrlichen Vivaldikonzert für „Geige, Streicher und Cembalo in g-moll“. Zwischen den Sätzen flirtet er mit seinen weiblichen Orchestermitgliedern, verteilt Handküsse und freut sich unbändig über das jubelnde Publikum. Es klatscht und pfeift und trampelt nach jedem Satz. Auch das gehört zum Konzert des „Mecki-Punkers“ Kennedy.

Zu ganz wunderbaren Erlebnissen werden die Doppelkonzerte für Geige und Oboe (Bach, „d-moll BWV 1043“ und Vivaldi „B-Dur RV 548“, Solooboe Tytus Wojnowicz,) und die Konzerte für zwei Violinen mit dem Konzertmeister Jakub Haufa (zweite Solostimme).

Infos: www.nigelkennedy.de