BREMEN - Der Mann sieht etwas sonderbar aus, mit seinem kahlen Schädel und dem Backenbart in Eckenform. Und auch sein Band-Projekt ist kurios, manche sagen charismatisch: „Unheilig“ heißt die Band, die früher im Dunkelreich des Gothics zu Hause war. Heute stürmt man mit Bariton-Hymnen wie „Geboren um zu leben“ an die Spitze der Charts. Und ihr Macher, der Mann namens „Graf“, inszeniert sich zum rockenden Grabredner.
Beim Auftritt im Bremer Pier 2 brachte der Graf nun nicht nur flackernde Kerzen auf die Bühne. Er peitschte mit Feuer- und Stahl-Rock ` la Rammstein die rund 3000 Zuschauer auf. Die Fans waren begeistert. Neulinge in der Welt vom Grafen vielleicht befremdet. Die Show präsentierte sich gut kalkuliert. Pünktlich um 20.15 Uhr ging es los: „Könnt ihr den Lichtstrahl sehen?“, drang die dunkle Stimme exakt wie auf der aktuellen CD in die Menge.
Es folgten peitschende Gitarren-Salven wie sie von Rammstein hätten stammen können. Nur klingen die beim Grafen stets netter. Von Rammstein scheinen Sound und Sprachwelt entliehen. Von „Feuerstürmen“, „Fackelzügen“ oder „Stahlmännern“ dröhnt auch der Graf in ähnlichem Marschmusik-Klang.
„Sagt ja!“ heißt ein Song. Doch was dabei eigentlich gefragt wurde, lässt der Song im Unklaren. „Sagt Ja zur Schattenwelt!“ lautet dann die Auflösung. Zusammen mit der tief grollenden Stimme ergibt sich daraus ein Massen-Erlebnis. Der Graf rockt sein Publikum, keine Frage. Doch dann gibt es bei „Unheilig“ aber auch noch die vielen sanft pathetischen Balladen, ohne Wumms und Bumms. Oft erzählen sie von großen Lebensmomenten. „So wie Du warst“ heißt einer dieser Songs. Wie auch immer: ein raffiniertes Konzert. Die tiefe Stimme des Grafen schafft es, erbauliche Zeilen in unsere Herzen zu schmuggeln.
Am 30. Juni gastiert Unheilig ab 18.30 Uhr zu einem Freiluftkonzert in Meppen (Arena). Ein ausführliches Interview mit dem Sänger der Gruppe, dem Grafen, lesen Sie am Sonnabend in dieser Zeitung.
