BREMEN - Die Kultsendung feierte Geburtstag. Doch das Programm konnte diesmal den Kenner nicht so richtig überzeugen.
Von Matthias Mineur
BREMEN - Im September 1965 tummelten sich langhaarige Musiker mit sonderbaren Klamotten und verzerrtem Gesichtsausdruck erstmals auch im deutschen Fernsehen. Der „Beat-Club“ von Radio Bremen hatte seine Pforten geöffnet und schrieb musikhistorische Geschichte.Wer erinnert sich nicht an Legenden wie Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Deep Purple, Free, Blind Faith, Vanilla Fudge oder The Who? Sie alle waren im „Beat-Club“ zu sehen und ließen die angelsächsische Musik in deutsche Wohnzimmer einziehen.
Natürlich waren nicht alle Moralhüter einverstanden. „Nur noch englischer Beat, Negersongs und nackte Weiber, das ist der Untergang des Abendlandes“, wetterte CSU-Politiker Franz-Xaver Unertl im Bundestag, konnte das Verderben aber nicht verhindern. Mittlerweile haben wir uns nach TV-Sendungen wie „Musikladen“ und „Rockpalast“, aber auch aufgrund der Dauerberieselung durch VIVA und MTV an wilde Kerle, leicht geschürzte Frauen und farbige Musiker gewöhnt. Dem „Beat-Club“ sei Dank!
Zu Recht also hat sich Radio Bremen den 40. Geburtstag seiner Kultsendung rot im Kalender eingetragen und feierte jetzt im Bremer „Aladin“ ein rauschendes Fest. Toller Rahmen, festliche Stimmung, sympathisch geleitet durch die Moderatoren Kim Fisher und Dirk Böhling, inklusive eines rührenden Wiedersehens mit der noch immer süßen Ansagerin Uschi Nerke und Tagesschausprecher Wilhelm Wieben.
Und dennoch: Angesichts des musikalischen Programms konnte man sich nur verwundert die Augen reiben. Anstatt der Bedeutung dieser Sendung entsprechend internationale Stars einzuladen, die eng mit der Geschichte des „Beat-Club“ verbunden sind, setzten die Verantwortlichen auf eine obskure Mischung aus deutschen Stars (Peter Maffay, Wolfgang Niedecken, Scorpions, Rattles), neuen Talenten (Mayque, Lizz Wright) und halbgaren Erscheinungen. Während etwa die gefeierte Maffay-Band mit „Wild Thing“ eine ebenso glänzende Figur machte wie BAP-Chef Wolfgang Niedecken, der den Bob Dylan-Klassiker „Like A Rolling Stone“ anstimmte, war etwa die üble Volksmusik-Verballhornung des Santana-Hits „Oye Como Va“ durch die Global Kryner reinste Kulturschädigung.
Und ob Bell, Book & Candle die richtige Truppe für „Hanky Panky“ ist, sei angezweifelt. Als echte Rock’n’Roller erwiesen sich lnur Carl Carlton & The Songdogs mit Musikern von Small Faces und Mothers Finest. Im Finale stimmten die Songdogs mit Gästen den Lennon-Klassiker „Instant Karma“ an. Sie erinnerten daran, was einst den Charme des „Beat-Club“ ausgemacht hatte.
Infos unter: www.beat-club.de
