BREMEN - Wenn Thomas Albert für sein Musikfest Bremen das Wort „Weltoffen“ im Schilde führt, dann hat der Intendant keineswegs nur universelle Stars wie das Amsterdamer Concertgebouw-Orchester oder die Pianistin Hélène Grimaud im Sinn. Der offene Blick in die Welt bleibt beim 22. Fest zwischen dem 27. August und 17. September auch mal auf dem flachen Land hängen – etwa bei Bokel­esch im Saterland.

Dort, im heutigen Kreis Cloppenburg an der Grenze zu Ostfriesland, wirkte seit dem 13. Jahrhundert ein Johanniterorden. Das Kloster wurde im 30-jährigen Krieg zerstört. Geblieben ist die zwischen 2002 und 2008 mit Engagement und Sachverstand renovierte Kapelle. Sie rückt am 4. September in den Fokus, wenn das renommierte Gesualdo-Consort aus Amsterdam Musik jener frühen kulturellen Hoch-Zeit aufführt. „Das ist etwas Großes im Kleinen“, sagt Alte-Musik-Experte Albert anlässlich der offiziellen Vorstellung des Musikfest-Programms.

Natürlich bleibt Bremen das Zentrum des Qualitäts-Ereignisses, das sich zwischen Hamburg und Emden mit 40 Veranstaltungen über 19 Spielorte dehnt. Dort müssen die höchsten Eigenanteile am 3,5 Millionen Euro schweren Etat erwirtschaftet werden. „Mit 75 Prozent Auslastung“ rechnet Musikfest-Sprecher Carsten Preisler. Dazu müssen nicht nur das Seoul Philharmonic Orchestra oder die Geigerin Viktoria Mullova und der Hammerklavier-Spezialist Kristian Bezuidenhout herhalten. Optisch setzen Opern Glanzlichter. Das Théatre des Bouffes du Nord aus Paris bringt Mozarts „Zauberflöte“.

Am Nordwesten führt für die Bremer Planer schon lange kein Weg mehr vorbei. Beim integrierten zweiten Arp-Schnitger-Festival wird die Musik seiner Zeit in der Taufkirche des Orgelbauers in Golzwarden/Wesermarsch belebt (31. August).

In der Georgskirche Weener spielt Krzysztof Urbanek, Preisträger von 2010, am 4. September. Das schon legendäre Bach Collegium Japan widmet sich dann Bach und Buxtehude am 30. August in Ganderkesee/Landkreis Oldenburg.

Höhepunkte erleben Oldenburg und Emden. In der Lambertikirche gibt es Vivaldis Oper „Il Farnace“ am 10. September konzertant. In der Johannes a Lasco Bibliothek widmet sich das Ensemble „Spira mirabilis“ am 13. September intensiv Schuberts großer C-Dur-Sinfonie.

Kein Zweifel: Die offene Welt liegt ganz nah.