BREMEN/OLDENBURG - „Allein das Material!“, hat sich der große Cartoonist Hans Traxler einmal bewundernd gewundert. „Kugelschreiber auf Resopal!! Sind Sie ein Masochist, Herr Mönster? Und wie wollen Sie das noch steigern? Buntstift auf Götterspeise?“

Nein, ein Masochist ist Jub Mönster nicht, aber ein erfindungsreicher, vielseitiger und mutiger Künstler. Kugelschreiber auf Resopal! Das klingt abwegig, aber wer diese Zeichnungen sieht, begreift, wie zielführend solche Abwege sein können. Eins von Mönsters Hauptwerken verdankt sich dieser Technik: „Die Kathedrale von Rouen“, eine aus 15 atemberaubend detaillierten Zeichnungen bestehende Serie, die im Besitz eines Würzburger Museums ist.

Nun wird Mönster am 12. Juli 60 Jahre alt. Er stammt aus Oldenburg, besuchte das Neue Gymnasium, absolvierte erst gut bürgerlich eine Banklehre und studierte dann an der Bremer Fachoberschule für Gestaltung. Seitdem sind ihm an die 50 Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gewidmet gewesen, derzeit etwa im Kunstkreis Hameln, in Berlin und in den USA, und sein Werk ist mit Preisen und Stipendien geehrt worden. Auch das Oldenburger Landesmuseum hat längst Werke Mönsters aufgekauft.

Leicht zu kategorisieren und über einen Leisten zu schlagen sind diese Werke freilich nicht, reichen sie doch von großformatigen Wandmalereien bis zur gezeichneten Miniatur, von Ölgemälden bis zur seriellen Fotografie, von der Porträtmalerei bis zur preisgekrönten Kinderbuchillustration. Der kleinste gemeinsame Nenner in dieser Vielfältigkeit ist vielleicht Mönsters wahrlich haargenaue, hyperrealistische Zeichentechnik, doch sind seine Arbeiten mit dem Etikett „Realismus“ nicht adäquat zu fassen.

Fast alle seine Bilder scheinen eine Geschichte zu erzählen oder Momentaufnahmen aus einer Geschichte zu sein, aber sie sind zugleich rätselhaft, weil sie an die Fantasie appellieren. Eine Bildersequenz mit dem ironischen Titel „Die Sonne schien, da sie keine Wahl hatte, auf nichts Neues“ zeigt Passanten, die wie aus dem Nichts auf einem Platz erscheinen, offenbar ihrem Alltag nachgehen und manchmal zu Gruppen zusammentreten, aber aus der Isolation ihrer Auftritte spricht eine merkwürdige Verlorenheit. Im Betrachter entsteht dabei eine gespannte Erwartung, die sich aber nur erfüllt, wenn der Betrachter das Seine in die Bilder hineinlegt.

So sind Jub Mönsters Bilder vollendet – fertig werden sie allerdings erst in unseren Köpfen.