BREMEN - Die Bremer Philharmoniker spielen auf hohem Niveau. Die Verlegung des Schauplatzes gefällt nicht allen Zuschauern.
Von Wolfgang Denker
BREMEN - Florian Ludwig am Pult der hervorragend aufspielenden Bremer Philharmoniker entzückt bereits bei der wunderbar disponierten Ouvertüre, mit ihrem geheimnisvollen Beginn und ihren Steigerungen. Ludwig hält dieses Niveau im Bremer Freischütz mit stimmigen Tempi und differenzierter Dynamik über die gesamte Distanz.Klaus Florian Vogt singt den Max geradezu ideal, von der Lyrik der Wälder und Auen bis zu den expressiven Ausbrüchen. Die Agathe ist bei Bettina Jensen, ein Gast von der Komischen Oper Berlin, bestens aufgehoben. Sie singt ihre Arien ganz auf Linie und mit rundem, klangschönem Ton. Nadine Lehner ist als Ännchen darstellerisch sehr einprägsam und kann auch mit substanzreichem, über das Soubrettenfach hinausweisendem Sopran Glanzpunkte setzen. Als Kaspar ist Ivan Dimitrov vom Typ eine sehr stimmige Besetzung, mit kernigem, markantem Bariton. Armin Kolarczyk als Ottokar, Karsten Küsters als Kuno und Karl Huml als Eremit fügen sich nahtlos in das hohe Niveau ein. Entsprechend groß ist der Jubel.
Die szenische Seite wird hingegen gemischt aufgenommen. Der Schauplatz der Freischütz-Inszenierung von Erik Gedeon ist ein Museum (von Ulrich Frommhold opulent ausgestattet). Dabei gerät das turbulente Geschehen sehr lebendig, gar nicht museal. Allerdings ist vom deutschen Wald nichts mehr übrig geblieben. Dafür ist das Museum aber immerhin holzgetäfelt eine sehr freie Interpretation des Waldes.
Gedeon baut der Gefahr der unfreiwilligen Komik vor, indem er Komik zum gezielten Leitfaden macht. Schon die Eingangsszene, in der Max so unbeholfen mit seiner Flinte hantiert, dass die Weber-Büste erschossen wird und das Museumspersonal ständig in Deckung geht, hat Loriotschen Witz. Der Chor wippt rhythmisch beim Spottgesang Betriebsfeststimmung in der Jagdsaison.
Aber wenn stumme Museumswächter mit einer Wolfsmaske durch die Räume schleichen, kommt das Bedrohliche doch langsam näher. Leider schießt Gedeon manchmal übers Ziel hinaus. Die Wolfsschluchtszene ist eine Art Geisterbahnreigen mit Unappetitlichkeiten wie Hackebeil und Galgen. Samiel und Fürst Ottokar sind ein und dieselbe Person, deren Doppelleben als Leitwolf sich in der Wolfsschlucht offenbart. Aber der Eremit, ein Musiker (Komponist Carl Maria von Weber selbst?), sagt ihm am Schluss die Meinung.
Die Respektlosigkeit, mit der Gedeon vorgeht, hat durchaus Charme. Ännchen ist nicht das flinke Kammerkätzchen, sondern eine Kaugummi kauende freche Göre; und die Brautjungfern werden mit einigem Witz von der emsig umherschwirrenden Putzkolonne gestellt.
Karten: 04 21/36 53 333
