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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Alberner Mozart im Bremer Theater

03.12.2018

Bremen Zugegeben – eine Inszenierung von Mozarts Singspiel birgt die Gefahr, das Werk auf die Klischees der Türkenoper zu reduzieren. Das wollte Regisseur Alexander Riemenschneider offensichtlich vermeiden und bettet das Werk in eine Rahmenhandlung ein. Während der Ouvertüre führt die erste Szene bei ihm auf eine ausgelassene Party im Haus von Konstanze und Belmonte Lostados, auf der sich deren Freunde Blonde, Pedrillo, Osmin und Bassa Selim versammelt haben. Wie in einem großen Setzkasten sieht man sie trinken, tanzen und scherzen (Bühne von Jan Štèpánek).

Allmählich beginnen sie, sich mit ihren verschütteten oder unbewussten Gefühlen auseinanderzusetzen, ebenso mit ihren erotischen Fantasien. Wolfgang Amadeus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ dient dabei nur als Katalysator. Riemenschneider hat den beiden Paaren dazu Alter Egos aus dem Schauspielensemble an die Seite gestellt.

Es sind keine simplen Doubles – sie haben durchaus unterschiedliche Kostüme (von Emir Medić), die so geschickt variieren, dass sie bestens korrespondieren. Diese Verdoppelung gibt zwar Gelegenheit für immer neue Konstellationen und für die Verdeutlichung widersprüchlicher Gefühle, ist aber auf Dauer ermüdend. „Doppelt hält besser“ stimmt eben nicht immer.

Ätzende Länge

Riemenschneiders angestrebter Tiefgang bleibt leider auf der Strecke.

Dazu gibt es zu viele Albernheiten wie das ständige Gezappel, wenn die Musik auch nur ein wenig rhythmisch wird. Auch die angedeuteten Sadomaso-Szenen gehören dazu. Ein Fremdkörper von ätzender Länge ist die Traumerzählung aus der „Traumnovelle“ von Arthur Schnitzler. Auch das dort vorkommende Kind wird bei Riemenschneider bemüht, allerdings nur, damit Pedrillo ihm sein Ständchen „In Mohrenland gefangen war“ als Gute-Nacht-Lied singen kann. Am Ende befinden sich alle wieder in dem Setzkasten – Gefühlslage unklar.

Wo es Karten gibt

Eintrittskarten für Mozarts Singspiel im Bremer Theater am Goetheplatz gibt es unter: Telefon   0421/3653 333 Die musikalische Leitung liegt bei Hartmut Keil, Regie führte Alexander Riemenschneider.

Alle NWZ-Krtiken unter www.nwzonline.de/premieren

Hartmut Keil am Pult der Bremer Philharmoniker sichert Mozarts „Entführung“ den Stellenwert, der bei der Inszenierung etwas verloren geht. Seine Wiedergabe hat Kraft und Elastizität, das Orchester folgt ihm mit bester Spielkultur. Auch die Solisten überzeugen weitgehend, allen voran Hyojong Kim als Belmonte, der seinen schönen Tenor empfindsam durch die Partie führt und mit exemplarischer Textdeutlichkeit glänzt. Auch wenn der geschmeidige Sopran von Nerita Pokvytytè anfangs noch etwas spitz klingt, findet sie vor allem in der Marternarie zu großer Form.

Seelen-Striptease

Martina Nawrath gestaltet die Blonde in bester Soubretten-Manier. Bei „Welche Wonne, welche Lust“ hängt sie an der Flasche: Es ist purer Galgenhumor, weil sie das Serail eigentlich nicht verlassen will, auch wenn sie mit Joel Scott als Pedrillo einen attraktiven Partner hat.

Christoph Heinrich macht als Osmin eine gute Figur, auch wenn man sich bei ihm in der tiefen Lage mehr Substanz wünschen würde. Der Bassa Selim ist für die „Entführung“ mit Alexander Swoboda nicht typgerecht besetzt, als Teilnehmer beim Seelen-Striptease aber durchaus. Die kleinen Aufgaben, die der Chor gehabt hätte, werden vom Ensemble übernommen.

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