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NWZonline.de Nachrichten Kultur

In Bremen schleicht Bedrohliches über die Bühne

23.10.2018

Bremen Wie bei kaum einer anderen Oper hatte Verdi bei „Un ballo in maschera“ Probleme mit der Zensur, die einen Mord am schwedischen König Gustav III. auf der Bühne verbot. Deshalb verlegte er die Handlung nach Boston und machte aus dem König den Gouverneur Riccardo. Heutige Inszenierungen siedeln die Oper meist wieder in Schweden an. Das tat jetzt auch Regisseur Michael Talke im Bremer Theater am Goetheplatz,

Gustav ist ein leichtherziger Monarch, der die Frau seines Freundes liebt und der alle Warnungen vor einem geplanten Attentat in den Wind schlägt, obwohl die Verschwörer in ihren schwarzen Gewändern von Anbeginn an bereits über die Bühne schleichen. Talke hat den Kontrast zwischen dieser Bedrohung und der Party-Stimmung vor dem Besuch bei der Wahrsagerin Ulrica gut herausgearbeitet.

Das Bühnenbild von Barbara Steiner zeigt opulente Fassaden des Königspalastes, die beim Besuch von Ulrica einstürzen. Denn dies ist die Stunde der Wahrheit: Ulrica erkennt die Liebesverstrickung und die politische Gefahr ganz genau. Amelias schlechtes Gewissen ist fast greifbar: Vor dem Treffen mit Gustav am Galgenberg erblickt sie in einer Vision sich und ihre Familie in gespenstisch grünem Licht an einem Tisch sitzend. Dazu werden Totenköpfe projiziert.

Talkes Personenführung ist zunächst etwas statisch, da hätte es etwas mehr spielerische Akzente geben können. Aber im zweiten Teil mit dem handfesten Ehekrach zwischen Renato und Amelia nimmt die Inszenierung kräftig an Fahrt auf. Auch das letzte Bild mit der maskierten Hofgesellschaft gerät eindrucksvoll. Talke ist eine werkgetreue und nachvollziehbare Inszenierung gelungen, die für Spannung und Emotionen sorgt.

Dazu kommt eine durchweg hervorragende sängerische Besetzung, allen voran Birger Radde als Renato. Sein markiger Bariton entwickelt beachtliche Klangfülle, die Gestaltung der Arie „Eri tu“ geht unter die Haut. Luis Olivares Sandoval punktet als Gustav mit seinem runden Tenor und seinem schönen Timbre. Besonders den Schluss gestaltet er mit Schmelz. Patricia Andress ist eine Amelia, die das Wechselspiel ihrer Gefühle verdeutlichen kann. Als Ulrica beeindruckt Romina Boscolo mit einer fulminanten Tiefe, während die Registerübergänge Wünsche offenlassen. Iryna Dziashko ist ein munterer Oscar mit blitzsauberen Koloraturen. In ganz großer Form präsentiert sich der von Alice Meregaglia einstudierte Chor.

Das Bremer Debüt des Dirigenten Marco Comin hätte besser nicht ausfallen können. Vielleicht hätte das Liebesduett noch etwas mehr Feuer vertragen, aber ansonsten gelingt ihm eine spannende, effektvolle Wiedergabe.


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