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Opernpremiere Krimi mit Höchstleistungen

Wolfgang Denker

BREMEN - Springt sie oder springt sie nicht? Das ist eine der Fragen (wenn auch sicher nicht die entscheidende) an eine „Tosca“-Inszenierung. Sie springt, aber zum Beispiel in der letzten Bremer Produktion vor zwölf Jahren wurde Tosca mit einem Revolver erschossen. Doch solche Mätzchen brauchte Vera Nemirova, die Regisseurin der neuen „Tosca“, nicht zu bemühen.

Tisch auf kahler Bühne

Sie inszenierte Puccinis Opern-Krimi jetzt ganz aus dem Geist des Werkes, ohne „spektakuläre“ Zutaten. Die Regisseurin konzentrierte sich lieber auf eine packende Personenführung und verdeutlichte die Emotionen der Figuren sehr sinnfällig. Und Emotionen gibt es reichlich: Eifersucht, Liebe, Angst, Verzweiflung und sexuelle Gier.

Höhepunkt des 1. Aktes war der effektvoll in rötliches Licht getauchte Auftritt Scarpias, bei dem die brutale Macht des Polizeistaates greifbar wurde. Den 2. Akt inszenierte Nemirova mit Thriller-Qualitäten. Wenn Scarpia das Tuch vom Tisch reißt und Tosca auf diesem Tisch vergewaltigen will, stockt der Atem. Eine Szene, die mit ihrer Steigerung der Spannung hervorragend gelungen ist.

Tristesse dann im letzten Bild auf der Engelsburg – ein Tisch auf der kahlen Bühne assoziiert eine Besucherzelle. Die sehnsuchtsvolle, melancholische Weise des Hirten lässt die Regisseurin von Tosca singen, was vom Text her sehr schlüssig ist. Tosca bringt zwar die Botschaft von der vermeintlichen Rettung, aber so recht scheinen sie und Cavaradossi nicht daran zu glauben.

Das Bühnenbild von Jens Kilian verzichtet auf Pomp, markiert aber die Schauplätze treffend. So gibt es im 1. Akt einen großen, schmucklosen Kirchenraum. Für den Palazzo Farnese reichen eine festlich gedeckte Tafel, ein Kronleuchter, ein roter Samtvorhang im Hintergrund und eine Falltür zur Folterkammer.

Für die Sänger der drei Hauptpartien waren es Rollendebüts. Patricia Andress wusste trotz Sonnenbrille und weißem Schal die Leidenschaft der Diva im 1. Akt noch nicht restlos zu vermitteln. Aber sie steigerte sich ungemein und konnte beim „Duell“ mit Scarpia stimmlich und darstellerisch begeistern.

Wuchtig und eisig

Sicher, ihr „Vissi d’arte“ könnte noch aufblühender gesungen werden, aber die Qual der Verzweiflung traf sie genau. Luis Olivares Sandoval erwies sich mit schmelzreichem Tenor als Cavaradossi der Sonderklasse. Für eine Überraschung sorgte Loren Lang als Scarpia. Er stattete seine Partie mit stimmlicher Wucht aus und gestaltete mit einer Eiseskälte, die schauern machte.

Daniel Montané und die Bremer Philharmoniker musizierten Puccinis leidenschaftliche Musik kraftvoll und dramatisch, zudem mit viel Sorgfalt bei den feineren Klanggespinsten. Ein begeisternder Opernabend.

 @ Alle

NWZ

 -Kritiken unter:

http://www.NWZonline.de/theater

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