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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Lebenslinien in Farbe gesetzt

18.09.2019

Bremen Es sind vor allem die großen braunen Augen, mit denen Paula Modersohn-Becker den Betrachter eindringlich anschaut. Mal schelmisch, mal forsch, dann fragend oder auch voller Stolz.

Sie malt sich selbst mithilfe von Spiegeln und Fotos als 17-Jährige, als Verlobte, als Ehefrau, in Paris oder in der Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen. „Ich bin Ich – Paula Modersohn-Becker. Die Selbstbildnisse“ heißt die in Bremen zu sehende Sonderausstellung, die 50 der insgesamt über 60 Werke zeigt, bei denen die Künstlerin sich letztlich selbst Modell stand.

Ein guter Platz

„In dieser Fülle wird sich das wohl nicht wiederholen lassen“, sagt Frank Schmidt, Kurator und Direktor des Paula Modersohn-Becker Museums in Bremen mit Blick auf den Ausstellungsumfang. Die Werke sind Leihgaben meistens aus Deutschland. Zu den wenigen, die nicht da sind, gehört das „Selbstbildnis mit zwei Blumen in der erhobenen linken Hand“ von 1907, das im Museum of Modern Art in New York hängt.

Zu den Höhepunkten gehören das „Selbstbildnis mit Kamelienzweig“ (1906/07) aus dem Folkwang Museum in Essen und das Akt-„Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag“ (1906) aus der Sammlung des Bremer Museums. Die Künstlerin (1876–1907) wurde und wird für vieles vereinnahmt. So gilt sie als eine Vorkämpferin des Feminismus, weil sie Anfang des vorigen Jahrhunderts gegen viele Widerstände ihr Ziel durchsetzte, eigenständige Künstlerin zu sein.

Immer wieder wird Paula Becker, die 1901 den Maler Otto Modersohn heiratete, auch als Protagonistin des frühen Expressionismus gesehen, dem Wolfgang Werner vom Vorstand der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung aber widerspricht.

„Mit Expressionismus hat das nichts zu tun. Paula Modersohn-Becker war eine der großen Einzelgängerinnen der Jahrhundertwende“, sagt der Galerist und Kunstexperte. 2020 wird die Stiftung in zwei Bänden das erste Werkverzeichnis der über 1200 Handzeichnungen von Modersohn-Becker veröffentlichen.

Wie die Arbeit der Malerin im Ausland eingeschätzt wird, wird auch daran deutlich, dass ihr Selbstbildnis in dem New Yorker Museum neben Picasso hängt. „Ein Platz, der ihr zusteht“, findet Schmidt, der seit dreieinhalb Jahren das Bremer Museum leitet. Die Bremer Ausstellung kann nicht komplett sein, weil einige Selbstbildnisse verschollen, andere aus konservatorischer Sicht nicht reisefähig sind oder sich einige Leihgeber – sehr zum Bedauern des Museums – nicht von den Werken trennen wollten.

Mit sich beschäftigt

Das 1927 eröffnete Museum in der Böttcherstraße liegt in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes. Die Selbstbildnisse sind dort auf drei Räume mit Zwischenwänden verteilt. Auch eigene Aktfotos der Künstlerin, die sie für ihre Arbeit nutzte, sind zu sehen. Vor 1906 malte sie etwa ein Selbstbildnis im Jahr.

Dann im Jahr 1906, als es Paula Modersohn-Becker wieder für Monate nach Paris zog, waren es plötzlich 15. „Sie hat sich zu der Zeit viel mit sich selbst beschäftigt“, erklärt Schmidt.

Nicht jedem gefielen die malerischen Resultate. „Paulas Selbstportraits finde ich alle grausam gegen ihre Lieblichkeit, wie kann man so hart mit der Schönheit verfahren!“, schrieb niemand anders als ihre Mutter Mathilde Becker im März 1913 an den Hagener Sammler Karl Ernst Osthaus, der im selben Jahr das „Selbstbildnis mit Kamelienzweig“ für die Folkwang-Sammlung erwarb.

Der ließ das nicht unwidersprochen. Gerade auf diesem Bild finde er eine große Ähnlichkeit: „Nach den anderen Bildern hätte ich sie nicht einmal erkannt.“

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