BREMEN - Durch eine ungewöhnliche Raumgestaltung wird das Publikum nah ans tänzerische Geschehen herangeholt. Die Garderobe befindet sich hinter den Stuhlreihen.
Von Ulrike Peters
BREMEN - Wie ein gigantischer Laufsteg präsentiert sich die Bühne. Auf dem Tanzboden ist ein menschliches Skelett vom Schädel bis zum Becken abgebildet. Die Zuschauerränge bilden dazu quasi die Hülle: das Publikum eine stets wechselnde Materie um ein festes Rückgrat. Am Sonnabend ist die Hülle lückenlos: Die Uraufführung von Urs Dietrichs „Voll-da-neben“ findet im ausverkauften Bremer Concordia statt.In seiner neuen Produktion holt Dietrich das Publikum durch eine ungewöhnliche Raumgestaltung (Bühnenbild: Alfred Peter) näher als üblich an das tänzerische Geschehen heran. Die Tänzerinnen und Tänzer verlegen ihre Garderoben hinter die Stuhlreihen, während der Szenen windet sich mal jemand durch den engen Gang, mal wirft ein anderer ein Kleidungsstück in die Menge. So spürt man das zehnköpfige Ensemble auf und neben der Bühne, ist man gleichzeitig mittendrin und außen vor.
Die anspruchsvolle Choreografie ist ein Spiel der Gegensätze, das dem Zuschauer eine wahre Bilderflut liefert. Tanztheater-Chef Dietrich, der auch als Bremer HausChoreograf für die künftige, gemeinsam mit dem Oldenburgischen Staatstheater gegründete Tanzcompagnie Nord-West fungieren wird, erinnert an Situationen des Alltags, weckt Assoziationen, schreckt auf, lässt träumen.
Mal kommen seine Tänzer in präziser Formation mit fast maschineller Gleich-Bewegung zu Percussion-lastiger Musik auf die Bühne, mal scheinen sie zu meditativen Klängen zu schweben. Kaum befindet man sich in einem stimmungsvollen Duett, schon unterbricht ein Bild von Unterdrückung die Harmonie. Ebenso schnell wird ein bedrohlicher Militäraufmarsch zu einer fröhlichen Parade.
Durch überraschende Lichteffekte, Showelemente und nicht zuletzt eine immer bunter werdende, wechselvolle Kostümierung fehlt es der Choreografie keinen Moment an Dynamik. Nach einer guten Stunde entlässt Urs Dietrich seine Zuschauer mit einer Fülle von visuellen und akustischen Eindrücken, die fordern, ohne zu überfordern – und am Premierenabend mit anhaltendem Applaus gewürdigt wurden.
Karten: 0421/36 53 333.
