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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Das Abenteuer der Freiheit

28.11.2017

Bremen Wer träumt zuweilen nicht davon, noch einmal Kind zu sein, Abenteuer zu erleben und sich um nichts Gedanken machen zu müssen? Dieses Leben genießt der junge Tom Sawyer (Johannes Schumacher) im beschaulichen fiktiven Ort St. Petersburg in Missouri am Ufer des Mississippi.

1876 erschien Roman von Mark Twain

Das Buch „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ (Originaltitel: The Adventures of Tom Sawyer) ist ein Roman des US- Schriftstellers Mark Twain (1835–1910). Das Werk erschien 1876 zugleich auch als deutsche Übersetzung. Das Buch zählt längst zu den Klassikern der Jugendliteratur; es sprach und spricht aber auch viele Erwachsene an. Die Verwendung von Alltagssprache und Kraftausdrücken brachte das Buch in den USA zunächst auf den Index.

Mit dem Landstreicher Huckleberry Finn (Alexander Angeletta) erlebt er ein Abenteuer nach dem anderen, zieht um die Häuser, nimmt es mit der Schule aber nicht ganz so ernst – ganz zum Leidwesen seiner Tante Polly (Gabriele Möller-Lukasz) und seines Stiefbruders Sid (Guido Gallmann).

Eines Abends beobachten Sawyer und Finn ein schreckliches Verbrechen, das alles verändert. Und da beginnt die Geschichte im Großen Haus des Bremer Theaters.

Regisseur Klaus Schumacher hält sich bei seiner Inszenierung, die jetzt vor ausverkauften Reihen ihre Premiere hatte, dicht an die Vorlage des Romans von Mark Twain. Die Geschichte wird in 80 pausenlosen Minuten aus der Sicht des Tischlers Muff Potter (Simon Zigah) erzählt. Potter wurde zu Unrecht des Mordes an Dr. Robinson (Guido Gallmann) bezichtigt, der eigentliche Mörder ist der gefährliche und gefürchtete Killer-Joe (Martin Baum). Dank der Courage Tom Sawyers überlebt Potter und feiert fortan einen zweiten Geburtstag.

Das Stück ist familiengerecht aufbereitet. Die liebevoll gestalteten Kulissen (Katrin Plötzky) lassen direkt in die Geschichte eintauchen, die detaillierten Kostüme (Karen Simon) fügen sich nahtlos ein. Für Stimmung sorgt die Musik der Swampy Grass Band (Andy Einhorn, Marlene Glaß und Jan-Sebastian Weichsel). Der kleine Ort St. Petersburg wurde in Miniaturform nachgebaut – von Tom Sawyers Haus über die Schule bis zum Gefängnis.

Das Bühnenbild ist imposant und wird in Sekundenschnelle vom Gerichtssaal zum düsteren Wald mit leuchtendem Vollmond umfunktioniert. Die Darsteller nutzen dabei jeden Raum – von einer Falltür, die als Grab dient und aus der dichter Rauch dringt, bis zur Nachbildung des Mississippi, auf dem Tom Sawyer, Huckleberry Finn und Becky Thatcher (Judith Goldberg) – Tochter des strengen Richters Thatcher – auf ihrem Floß entlangfahren.

Die Inszenierung lebt von starken Charakteren und knackigen Dialogen. Mit viel Wortwitz wird die Handlung erzählt. Herrlich sind die Szenen, in denen Guido Gallmann gleich mehrere Charaktere gleichzeitig spielen muss – und sich darüber immer wieder bei Muff Potter beschwert. Der erzählt zwischendurch die Handlung weiter. Wer keine Vorkenntnisse hat, versteht das Stück daher trotzdem. Furchteinflößend und abgrundtief böse ist Killer-Joe mit seiner übergroßen Peitsche. Die schwingt er gern über die Köpfe der Zuschauer, die fiese Lache sorgt für Gänsehaut.

Hinter viel Witz verbirgt sich aber eine ernste Botschaft: Tom Sawyer stellt sich seiner Angst, als er vor Gericht aussagt, um seinen Freund Muff Potter zu retten. Und das, obwohl er einen Blutschwur mit Huckleberry Finn geleistet hat. Diese Inszenierung ist einfach rundum gelungen – dafür gibt es großen Applaus.


Alle NWZ-Kritiken   www.nwzonline.de/premieren 
Sabrina Wendt
Redakteurin
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2042

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