BREMEN - „Meine Zeit wird kommen“, sagte einst Gustav Mahler. Bei seinem Zeitgenossen Alexander Zemlinsky (1871–1942) liegen die Dinge ähnlich: Seine Werke fanden erst in den 70er Jahren den Weg auf die Bühnen. „Eine florentinische Tragödie“ und „Der Zwerg“ basieren auf Texten von Oscar Wilde. Im ersten Stück erwischt der Kaufmann Simone seine Frau Bianca mit dem Prinzen Guido. Nachdem Simone seinen Nebenbuhler umgebracht hat, finden er und seine Frau wieder zusammen. Im zweiten Werk geht es um den 18. Geburtstag der Infantin von Spanien. Als exotisches Geschenk bekommt sie einen lebendigen Zwerg. Der verliebt sich unglücklicherweise in die Infantin . . .

Im Vorfeld der Premiere wurde mit dem chinesischen Künstler Ai Weiwei geworben, der (mit Monika Gora) für die Bühnenbilder verantwortlich war. Aber die erwiesen sich als gelinde Enttäuschung: Sowohl der Turm aus zusammengeschweißten Fahrrädern in der „Tragödie“ wie auch die vom Schnürboden herabhängende Balkenkonstruktion im „Zwerg“ ließen jeden inhaltlichen Bezug zu den Werken vermissen.

Regisseur Andreas Bode musste seine Inszenierung an diese Vorgaben anpassen. Und das ist ihm gut gelungen. Bode setzte gegen die abstrakte Bühne ein Spiel voll ausdrucksvoller Intensität. Da wird im „Zwerg“ der dekadente Hofstaat nicht nur mit skurrilen Kostümen pointiert vorgeführt; der Zwerg ist der eigentlich „Normale“, der gegen diese Spaßgesellschaft nicht ankommt. Eine abstrakte Personenführung bestimmte die „Florentinische Tragödie“, bei der der Ehebruch und der Mord wie choreografiert wirkten.

Markus Poschner und den Bremer Philharmonikern gelang ein eindrucksvolles Plädoyer für Zemlinskys farbige, oft rauschhafte Musik, die in ihrem Duktus Mahler und vor allem Richard Strauss nahe steht. Dabei wurde die „Tragödie“ von opulenter Klangentfaltung geprägt, während im „Zwerg“ die sich parallel zur Handlung entwickelnde Tonsprache fein differenziert herausgearbeitet wurde: harmlos und verspielt am Beginn und dann immer abgründiger bis zum tragischen Ende. Bei den Sängern dominierte im ersten Stück Bassbariton Carsten Wittmoser mit breit strömender, viriler Stimme und vorbildlicher Textverständlichkeit. Nadja Stefanoff vollzog mit geschmeidigem Mezzo die Wandlung vom Prinzenliebchen zur wieder liebenden Ehefrau.

Als Zwerg bot Peter Marsh mit gleißendem Charaktertenor eine imponierende Leistung, manchmal an der Schmerzgrenze, doch stets mit verzehrender Intensität. Sara Hershkowitz konnte die Oberflächlichkeit der Infantin mit „kaltem“ Sopran verdeutlichen. Einmal mehr aus dem Ensemble herausragend war Nadine Lehner als Zofe.

Karten: 0421/365 33 33

Alle NWZ -Kritiken: www.NWZonline.de/theater