BREMEN - Die Liebe bezwingt das Böse, das Gute siegt über Gewalt. Das ist die Botschaft, die in der 1886 in Wien uraufgeführten Oper „Merlin“ von Karl Goldmark enthalten ist. Werte zu vermitteln, ist für Kinder sicher ein guter Ansatz, und wenn das noch spannend verpackt ist, umso besser.
Aber hier taucht das erste Fragezeichen auf. Ist die etwas biedere Handlung um König Artus’ Tafelrunde und den Zauberer Merlin wirklich geeignet, um heute noch zu fesseln? Bei kleineren Kindern vielleicht, bei Jugendlichen trotz der Hochkonjunktur von Fantasy-Filmen wohl eher nicht. Immerhin haben Elke Heidenreich (neue Textfassung) und Christian Schuller (Regie) die dreiaktige Oper für Bremen auf eine Stunde Spielzeit eingedampft und sich auf wesentliche Handlungsstränge beschränkt.
Merlin ist der völlig außer Art geschlagene Sohn des Teufels, denn er widmet sich dem Guten. Seine Achillesferse ist die Liebe, und als er sich in Viviane verliebt, verliert er seine Zauberkraft. Um diese wiederzuerlangen, verpfändet er seine Seele an den Vater (sehr bildreich in einem mit Blut geschriebenen Vertrag). Doch die Fee Fata Morgana erbarmt sich und erlöst Merlin und Viviane. . .
Schuller hat die Handlung (im Schauspielhaus) mit viel Fantasie umgesetzt, etwa die effektvollen Auftritte des Teufels und der Fee. Und er setzt auch ironisch-makabre Tupfer, wenn die Ritter den tödlich verwundeten Merlin wie für ein Siegesfoto stützen. Wenn am Ende die Ritter ihre mit Pflanzen geschmückten Lanzen im Takt der Musik schwenken, ist das aber fast unfreiwillig komisch. Das Bühnenbild von Jens Kilian war mit seinen geheimnisvollen Berglandschaften im Hintergrund sehr reizvoll.
Der Musik von Goldmark ist der Einfluss Wagners deutlich anzumerken, Klingsors „Parsifal“-Welt stand mitunter Pate. Aber die Orchesterfassung von Marc Aurel Floros für kleine Besetzung kaschierte dies etwas. Thomas Muraco am Pult der Bremer Philharmoniker dirigierte zügig und sicherte einen schlanken, transparenten Klang.
Bei einer Opernfassung, die insbesondere für Kinder angeboten wird, ist Textverständlichkeit besonders wichtig. Daran haperte es anfangs besonders bei Patricia Andress als Viviane, die überhaupt recht amazonenhafte Töne anschlug. Vielleicht lag es an der Akustik, aber forte schien bei den Sängern die bevorzugte Lautstärke zu sein. Immerhin ließen Juan Orozco als König Artus einen klangvollen, virilen Bariton und Karin Neubauer als Fee einen sinnlichen Mezzo hören. Mark Duffin hatte als Merlin vor allem tenorale Stentortöne zu bieten. Franz Becker-Urban spielte die Dämonie des Teufels überzeugend aus. Besonders hervorzuheben waren die stimmlichen Wohltaten von David Pichlmaier als Lancelot und Eun-Kyung Um als Stimme des Zauberschleiers.
Karten: 0421/36 53 333
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Forte schien
bei den Sängern die bevorzugte
Lautstärke
zu sein
