BREMEN - BREMEN - Das neue Theaterspektakel von Johann Kresnik sorgte bereits im Vorfeld für Schlagzeilen, als auf Grund falscher statischer Einschätzungen 700 000 Liter Wasser ausliefen und für erheblichen Schaden sorgten. Kresnik schrieb die Szene um, sodass die Premiere seines Stückes „Amerika“ jetzt wie geplant im stillgelegten Güterbahnhof stattfinden konnte – wenn auch ohne den künstlichen Fluß im Gleisbett.

„Amerika“ beruht auf dem gleichnamigen Romanfragment (auch als „Der Verschollene“ bekannt) von Franz Kafka, der das Schicksal des 16-jährigen Karl Roßmann schildert. Dieser wurde wegen einer Liebesaffäre mit einem Dienstmädchen von seinen Eltern verstoßen und macht sich voller Hoffnung auf ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ auf. Klar, dass er Schiffbruch erleidet.

James Reynolds sorgte mit Punk- und Rockklängen, Lärmeinspielungen, aber auch zarten Tönen für die musikalische Untermalung. Christoph Klimke hat die Romanvorlage dramatisiert und in 17 Szenen aufgeteilt. Dabei erfuhr der Stoff zahlreiche Anreicherungen, neben Kafka-Texten aus seinen Briefen („Liebster Vater“) auch frei hinzuerfundene.

Sie vor allem geben Kresnik Gelegenheit zur Abrechnung mit Amerika und zum Ausdruck seiner geradezu hasserfüllten Verachtung für den „American Way of Life“ und die „Weltherrschafts“-Moral von Präsident Bush, der Karl (Andreas Seifert) im Traum erscheint. Aber Kresnik bietet in seiner Inszenierung nicht nur grelle Töne. Die zusätzlich eingefügte Figur der Felice (Friederike Pöschel), angelehnt an Kafkas Verlobte Felice Bauer, ist eine Lichtgestalt, an der sich Karls Hoffnungen festmachen. Die Szenen, in denen sie ihm in unschuldig weißem Kleid im Traum erscheint, sind Ruhepunkte und geradezu poetisch inspirierte Momente.

Die deftige theatralische Umsetzung in der großen Halle des Güterbahnhofs vermittelt ein sinnliches Erleben. Die Zuschauer wandern (ähnlich wie im Bunker Valentin) entlang der Gleise von Szene zu Szene. Der ungewöhnliche Raum, den Kresnik meisterhaft und effektvoll einbezieht, ist zentraler Bestandteil dieses knapp zweistündigen Theaterabends. Bei Kresnik muss man aber auch immer mit der einen oder anderen Unappetitlichkeit rechnen. Dass das Hantieren mit blutigen Schweinehälften sehr realistisch ausfällt, nimmt man fast beiläufig in Kauf. Am Ende geht das Publikum an Glaskäfigen vorbei, in denen nackte Gefangene mit blutverschmierten Händen an den Scheiben reiben. Das ist dann doch eher Geisterbahnniveau für

einen ansonsten faszinierenden Theaterabend.

Karten: 0421/36 53 333