BREMEN - Oscar Wilde lieferte dem Bremer Theater nicht nur für die Spielzeiteröffnung („Salome“ von Richard Strauss) die literarische Vorlage, sondern auch für das diesjährige Weihnachtsmärchen. Seine Erzählung „The Canterville Ghost“ von 1887 handelt von Sir Simon, der als Strafe für die Ermordung seiner Frau seit 300 Jahren auf seiner Burg herumspuken muss.

Nun wurde die Burg an eine amerikanische Familie verkauft – und es brechen für das Gespenst von Canterville schwere Zeiten an. Denn die Familie hat keine Furcht und – schlimmer! – auch keinerlei Respekt vor dem Spuk. Als erste Maßnahme beseitigen sie den ewigen Blutfleck von der Schlosswand. Eine Katastrophe für Sir Simon!

Regisseur Dirk Böhling hat aus der Geschichte eine knapp 90-minütige, sehr kurzweilige Bühnenfassung erarbeitet, die von Alexander Seemann mit musikalischen Einlagen angereichert wurde. Trockener Humor bestimmt die Dialoge, die an die heutige Zeit angepasst wurden, aber ohne sprachliche Anbiederungen auskommen. Da ist die resolute Mrs. Otis (Gabriele Möller-Lukasz), „Chefin“ der Familie, die ihren etwas unterbelichteten Gatten (Fred Apke), der sich vorwiegend in Form von Werbeslogans äußert, und die rotzfrechen, pubertierenden Söhne Tom und Jerry (Jan Byl und Timo Lampka) fest im Griff hat. Dann die feinfühlige Tochter Virginia (Berit Möller), die dem Gespenst Verständnis entgegenbringt und der distinguierte Butler Oscar (Sebastian Dominik mit vielen Nuancen), der von der Familie (mit Ausnahme von Virginia) penetrant als Edgar angesprochen wird.

Das Gespenst Sir Simon wird von Martin Baum verkörpert. Er zeichnet die hilflosen Versuche, die Leute zu erschrecken, mit viel Witz und Komik.

Böhling hat sich für die Umsetzung sehr viel einfallen lassen. Da führen Ritterrüstungen ein kleines „Ballett“ auf, und Sir Simon probiert aus seinem Fundus ein „schröckliches“ Kostüm nach dem anderen an, da er nicht recht weiß, was er denn zur Geisterstunde anziehen soll.

Die eingestreuten Lieder, teils von zwei Musikern (Martin Kruzig und Jens Piezunka) im Moritaten-Stil vorgetragen, teils den Protagonisten zugeordnet, lockerten das Spiel auf. Die Bühnenbilder von Monika Gora mit den geheimnisvollen und stimmigen Innenansichten der Burg, die mittels Drehbühne mehrfach variiert wurden, sowie die fantasievollen Kostüme von Bente Matthiessen waren eine Augenweide.

Eine Produktion, an der hoffentlich viele große und kleine Zuschauer ihre Freude haben werden.

Karten: 0421/365 33 33

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