BREMEN - Die Aufführungen von Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ auf der neuen Bremer Seebühne wurden als Veranstaltungen mit „Event-Charakter“ geplant und sollten ein breites Publikum ansprechen. Der Erfolg (sechs ausverkaufte Vorstellungen mit jeweils 2700 Besuchern) spricht für sich.

Auch wenn der oft bemühte Vergleich vom „Bregenz des Nordens“ etwas vollmundig ist, hat man sich doch sehr viel einfallen lassen, um die eigentlich konzertanten Aufführungen kräftig mit spektakulären Aktionen anzureichern. Daland und der Holländer steuerten die Seebühne mit Segelschiffen an, Letzterer auf einem Nachbau der „Roland von Bremen“ (ca. 1380) mit blutroten Segeln. Sehr eindrucksvoll!

Dazu ein Löschboot mit Wasserfontänen, Ruderboote, die ihre Kreise zogen (warum?), Froschmänner, Fackeln und Geistererscheinungen am Ufer und zu den letzten Klängen der Oper sogar ein Feuerwerk. Vielleicht etwas zuviel und nicht immer im Einklang mit der Handlungslogik, aber offensichtlich galt das Prinzip, Show hat vor dramaturgischer Wahrheit den Vorrang.

Trotz dieses eindrucksvollen Spektakels stand Richard Wagners Musik im Vordergrund des Abends. Da ist zunächst einmal die verstärkende Technik zu loben, die den Orchesterklang und die Abmischung mit den Singstimmen optimal und ohne Verzerrungen in den Griff bekam. Und was Markus Poschner am Pult der Bremer Philharmoniker bot, hatte unverfälschtes Brio. Die sturmdurchtoste Wiedergabe der Musik konnte schon in der Ouvertüre beeindrucken.

Poschner setzte den ungestümen Schwung der Musik mit zügigen Tempi und prachtvoll gesteigerten Höhepunkten um. Dass dabei mitunter die Präzision etwas auf der Strecke blieb, konnte man billigend in Kauf nehmen.

Das gilt auch für den von Tarmo Vaask einstudierten Chor, der vor allem im 3. Akt nicht immer ganz sauber, aber dafür mit entfesselter Kraft sang. Holländer und Senta waren optimal besetzt. Tina Kiberg überzeugte mit dunkel grundiertem Sopran, sicherer Höhe und schöner Phrasierung. Bass-Bariton Markus Marquardt kam in der Titelpartie einer Idealbesetzung gleich. Mit seiner runden, in allen Lagen sicher geführten Stimme verströmte er reinsten Wohlklang und konnte die Zerrissenheit der Figur schon im prachtvollen Monolog „Die Frist ist um“ verdeutlichen. Schade, dass er die Partie weitgehend aus den Noten sang.

Das gilt auch für den ansonsten stimmfrischen Steuermann von Benjamin Bruns. Kurt Rydl war ein zwar stimmgewaltiger Daland, aber rau im Klang und tremoloreich. Kaum überzeugen konnte Richard Brunner als Erik, dessen Tenor eng und gepresst, dazu mit unsensibler Phrasierung ertönte. Barbara Buffy sang die Mary mit sonorem Alt.

Karten: 0421/36 53 333

Alle NWZ -Theaterkritiken unter www.NWZonline.de/theater