BREMEN - Jasper Brandis führte Regie. Die Inszenierung hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck.
von frank schümann
BREMEN - Der Einstieg ist beeindruckend. „Mir broachn a neie Wasserleiding“, schimpft der Sohn des Bauern im deftigsten Bayerisch und in großer Lautstärke, um dann aufzuzählen, was noch alles fehlt. Doch der „Vatter“, mit starrem Gesichtsausdruck unterm Jesu-Kreuz sitzend, bügelt ihn ab. „So lang i leb, wird nix umgstellt, nixe!“, brüllt er zurück, den Blick weiter nach vorne gerichtet, den Besitzanspruch fest im Habitus verankert. Und schon jetzt kann jeder verstehen, was die Kinder tun werden – nämlich den elterlichen Hof verlassen, um in der Stadt ein neues Leben zu beginnen.Doch natürlich finden sie ihr Glück auch dort nicht – was schon in der Natur der Sache liegt, denn das 1985 uraufgeführte Stück stammt von Franz Xaver Kroetz. Der in München geborene Autor, der das Theater in den 70er-Jahren mit seinem damals brutal wirkenden Realismus radikal veränderte, wollte mit „Bauern sterben“ deutlich machen, dass seine Flüchtlinge keine Landesgrenzen, sondern eigene Grenzen überqueren. Und dass es wichtig ist, immer wieder aufs Neue.
Dies zu zeigen hatte sich auch Jasper Brandis als Regisseur der Bremer Inszenierung auf seine Fahnen geschrieben. Gleichwohl gelingt es ihm nur in Ansätzen. Ist die bäuerliche Enge zu Beginn noch sehr dicht inszeniert, so verliert die Produktion mit fortschreitender Dauer an Konturen, was auch daran liegt, dass sich Brandis nicht für ein Tempo entscheiden kann. Die durch zum Teil gute Einfälle erzeugte Spannung macht er sich durch quälend langsame Szenen (wie das minutenlange Waschen der toten Oma) zunichte. Das Scheitern der Kinder in der Stadt lässt einen kalt. Starke Momente gibt’s dann, wenn das Verhältnis der Kinder zueinander im Zentrum steht. Doch auch da gilt: Ist man gerade drin, ist man fast schon wieder raus.
Statt dessen zeigt Brandis im wahrsten Sinne „blutige“ (wie auch blutende) Landschaften. Etwa, wenn der Vater stolz sein Blut unter dem Hemd präsentiert, die Tochter ihre Tage hat und der Sohn sich sein Geld verdient, indem er Blut spendet. Auch der Auftritt des „Kunden“, den die Tochter sexuell bedient, kann dies nicht mehr retten, zumal die Kroetzschen Dialoge, vor 20 Jahren vielleicht noch skandalös, heute keinen mehr schocken.
An den Schauspielern, etwa Thomas Ziesch als Sohn oder Sebastian Dominik als Vater, liegt es nicht. Was bleibt, ist ein zwiespältiger Eindruck. Am Ende stehen die Kinder am Grab der Eltern. Und auch wir gehen etwas ratlos nach Hause.
Karten: 0421/365 33 33
