• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 3 Minuten.

Urteil Zu Luftschadstoff-Messungen
EuGH: Schon einzelne Überschreitungen gelten als Verstoß

NWZonline.de Nachrichten Kultur

Stimmen von stählerner Härte

18.09.2018

Bremen Das ist wirklich mal ein originelles Konzept, mit dem sich Regisseur Paul-Georg Dittrich Beethovens einziger Oper „Fidelio“ genähert hat. Er nimmt den Zuschauer im 1. Akt mit auf eine Zeitreise durch die Welt- und Theatergeschichte und macht diese an früheren, historischen Inszenierungen dieser Oper fest. Dabei verknüpft er das Weltgeschehen mit dem Ge- und Missbrauch der gern zu Repräsentationszwecken aufgeführten Oper. Aber Dittrich tastet den Gehalt und die Handlung des „Fidelio“ in keiner Sekunde an.

Die Stationen bei Dittrich sind das Kärntner-Theater in Wien (1814), das Theatre-Lyrique Paris (1860), das Werktätigen-Theater Leningrad (1928), das Stadttheater Aachen (1938), das Deutsche Opernhaus Berlin (1945), das Stadttheater Kassel (1968), die Semperoper Dresden (1989) und schließlich das Bremer Theater (1997).

Leonore steht von Anbeginn auf der Bühne. Eine Verkleidung als Mann findet nicht statt. Sie befindet sich bei der Suche nach Florestan in permanenter Hochspannung und fungiert auch als eine Art Spielmacherin, wenn sie ungeduldig das Bühnenbild verschieben will, um zum nächsten Schauplatz zu gelangen. Diese Schauplätze werden in den Bühnenbildern von Lena Schmid eindrucksvoll stilisiert. Da blitzt die Biedermeier-Zeit (1814) auf, das Theatre-Lyrique wirkt mit seinen postkartenartigen Standbildern wie ein Gruß aus vergangenen Zeiten, bei Leningrad wird die Szene mit dem die Treppen herunterrollenden Kinderwagen aus dem Film „Panzerkreuzer Potemkin“ zitiert.

Aachen führt in die NS-Zeit. Auf der Bühne sind Bänder mit der Aufschrift „Zum Geburtstag“ zu sehen. Gemeint ist die „Fidelio“-Aufführung am 20. April 1938 zu Hitlers Geburtstag. Kassel erinnert an die APO-Zeit mit einem Hörsaal und Studenten. Und schließlich wird die Bremer Kresnik-Inszenierung mit Aldi-Tüten und den Arbeitern von der damals pleitegegangen Vulkan-Werft zitiert.

Den Bezug zur Zeitgeschichte stellt Dittrich über diverse Videos her. Lenin, Hitler, Trümmerfrauen, Studentenunruhen und der Mauerfall – all das flimmert in guter Dosierung über die Leinwand. So weit, so überzeugend.

Der 2. Akt kann diese Spannung nicht halten. Ein Teil der Zuschauer sitzt wie beim Abendmahl an einem Tisch, auf dem sich Florestan befindet – ein Gefängnis der besonderen Art. Zum Finale sind alle Akteure im zweiten Rang versammelt. Auf der Bühne passiert dann nichts mehr.

Im Zentrum steht Nadine Lehner als Leonore, die ihre Partie mit stählerner Härte und einer unglaublichen Intensität singt. Eine tolle Leistung! Der Tenor von Christian-Andreas Engelhardt wird immer kraftvoller und substanzreicher. Er bewältigt den Florestan sehr achtbar.

Claudio Otelli gibt den Don Pizarro als furchterregenden und brutalen Machtmenschen mit erzener Stimmgewalt. Christoph Heinrich zeigt mit schlankem Bass die freundlichen Seiten des Rocco. Als Marzelline und Jaquino können Marysol Schalit und Joel Scott ihre Partien gut erfüllen. Der von Alice Meregaglia einstudierte Chor leistet Großartiges, wenn auch das Jubelfinale etwas zu viel an Klangwogen beschert.

Für eine durchweg bewegende Wiedergabe sorgt Yoel Gamzou am Pult der beschwingten Bremer Philharmoniker. Seine Dynamik und seine Tempi sind geradezu schwindelerregend.


Alle NWZ-Kritiken unter:   www.nwzonline.de/premieren 
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.