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NWZonline.de Nachrichten Kultur

„The Hoff“ zwischen Helden-Pathos und Hofbräuhaus

30.04.2018

Bremen Es kann viel kaputtgehen, wenn man versucht, die einprägsamen Momente aus der Vergangenheit in der Gegenwart noch einmal zu erleben. Vor mehr als 25 Jahren sah ich David Hasselhoff, den Helden meiner Kindheit, den Knight Rider, bei einem Konzert. Nun steht er in Bremen auf der Bühne – und ich wieder davor, obwohl ich Sorge habe, enttäuscht zu werden.

Eine seltsame Mischung von Menschen hat sich in der ÖVB-Arena zum Publikum vereint. Hier die Leute in den 30ern, die Hasselhoff als Kinder und Jugendliche verehrt haben und alle seine Alben hatten. Dort die Betrunkenen, die lediglich „Looking for Freedom“ mitgrölen können und den Sänger vermutlich das erste Mal an dessen persönlichem Tiefpunkt im traurig-berühmten Hamburger-Suff-Video wahrgenommen haben.

Sie alle eint, dass sie sich vielfach dafür auslachen lassen mussten, dass sie ins Hasselhoff-Konzert gehen. Dazu gehört auch die Oldenburgerin Annika Eden, die mich begleitet. „Von meinen Freunden wollte niemand mitkommen“, erzählt sie. Sie selbst gehört ins Lager der echten Fans, sie hat sich vorher noch einmal in die alten Alben eingehört und sogar ein Booklet dabei, falls der Star Autogramme geben sollte.

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Die Halle ist bestuhlt, aber nicht ausverkauft. Bevor Hasselhoff die Bühne betritt, wird an seinen Co-Star erinnert: Die Showtreppe leuchtet rot wie das Lauflicht bei Kitt, dem sprechenden Auto aus der Serie „Knight Rider“. Dann ist auch Hasselhoff endlich da. Breitbeinig posierend wie eh und je, durch die Leinwand überlebensgroß. Ein Action-Held, mit 65-Jahren zwar ein wenig steif in der Bewegung, aber mit Präsenz und Selbstbewusstsein.

Überraschend rockig wirken viele Stücke, die ich nach Hasselhoff-Auftritten zuletzt bei Carmen Nebel eher auf der seichteren Schiene erwartet habe. Hier kommt Oldenburger Einfluss zur Geltung: Die hiesige Band United Four um Mazze Schoon wurde für die Tour als Begleitband engagiert. Die Jungs üben beim Einsatz der Gitarren keine Zurückhaltung.

David Hasselhoff mit Mazze Schoon

Doch es geht auch leiser. Annika ist förmlich beseelt, als Hasselhoff „Flying on the Wings of Tenderness“ schmachtet. Die Stimmung geht allerdings in der Bierseligkeit mancher Sitznachbarn etwas verloren. Die kommen vor allem in Fahrt, als der Sänger mit einer Art Cover-Medley aus „Country Roads“ und „Sweet Caroline“ die Party-Schiene fährt. Mir ist das zu viel Hofbräuhaus, auch Annika wirkt nicht begeistert.

Hasselhoff versucht eben, alle zu bedienen. „Er will ein ,Heroe‘ sein“, hatte sein Oldenburger Konzertveranstalter Ralf Seßelberg vor der Tour gesagt. Da ist er auf gutem Weg. Vor allem, weil er es schafft, erst mit unglaublich viel Pathos einen großen Hit zu schmettern und sich in der nächsten Szene selbst vom Podest zu stoßen und die eigene Karriere mit Augenzwinkern zu betrachten. Als er mit roter Rettungsboje in der Hand das Titellied der Serie „Baywatch“ schmettert, muss ich lachen. Weil es Spaß macht.

Hasselhoff im Baywatch-Outfit

Natürlich darf „Looking for Freedom“ als großes Finale nicht fehlen. Sogar die blinkende Jacke, die er Silvester 1989 am Brandenburger Tor trug, passt noch. Es soll sich immer noch um das Original von damals handeln.

Während die Betrunkenen nach dem Konzert in die Stadt ziehen, ist Annika immer noch hin und weg vom Konzert – und von ihrem Selfie mit Kitt, der als Nachbau im Foyer steht.

Annika Eden mit Kitt.

Und ich denke über den Helden meiner Kindheit nach. Ist er es heute auch noch? Das wohl nicht. Aber er ist gut genug, dass ich Lust bekommen habe, die alten Songs und Serien mal wieder hervorzukramen und meinem Helden von damals eine neue Chance zu geben.

Patrick Buck Redakteur / Redaktion Oldenburg
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