BREMEN - BREMEN - Klaus Pierwoß ist 64. Aber er denkt nicht an Rente oder Ruhe. „Unser Theater ist künstlerisch vital! Das widerlegt das Gerede von der Theaterkrise!“, betont der Bremer Intendant sofort, der gestern den Spielplan für seine letzte Saison 2006/2007 vorstellte. Pierwoß spielt damit auf die Finanzkrise seiner Bühne an, die ist immerhin mit über vier Millionen Euro verschuldet. „Aber wir sind nicht unsere eigenen Geldgeber. Die Bremer Finanzkrise darf man nicht mit einer Theaterkrise verwechseln“, erläutert er.
Die nächste Spielzeit wird am 17. September 2006 mit Michael Frayns Komödie „Der nackte Wahnsinn“ eröffnet. Am 23. September folgt Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ als erste Musiktheater-Premiere. Damit schließt sich ein Kreis, denn die erste Premiere unter Pierwoß 1994/95 war ebenfalls „Hoffmanns Erzählungen“. Andrej Woron wird diesmal die Oper inszenieren, einer der langjährigen Kumpel von Pierwoß. Neben Woron kommen noch einmal so vorzügliche Regisseure wie Konstanze Lauterbach, David Mouchtar-Samorai, Helmut Baumann und Michael Talke zum Zuge. Auch Johann Kresnik, der mit seinen „Zehn Geboten“ in Bremen für bundesweite Erregung sorgte, wird Regie führen: Bei Franz Kafkas „Amerika“ im Bremer Güterbahnhof.
27 Premieren in vier Sparten an sechs Spielstätten: „Wir wollen uns mit einem Feuerwerk verabschieden“, versichert Pierwoß.
Stolz ist er auf die Qualität seines Musiktheaters, herausragend sei in seiner gesamten Amtszeit das über sieben Jahre im Bunker Valentin gespielte, von Kresnik auf zwei Stunden gestutzte Riesendrama „Die letzten Tage der Menschheit“ gewesen. „Für das vermeintlich unbewegliche Bremer Stadttheater war diese Außenproduktion doch bemerkenswert!“
Die nächste Pierwoß-Spielzeit wird die 13. Saison werden. „Aber ich bin nicht abergläubisch. Ich hoffe, dass die 13 mir genauso Glück bringt, wie sie einst dem Fußballer Gert Müller als Rückennummer brachte“, sagt Werder-Fan Pierwoß ruhig.
Was wird Pierwoß nach dem Sommer 2007 machen? Der gebürtige Emsländer war zuletzt mehrmals im Krankenhaus, er leidet, hat Vorhofflimmern. Der Stress schadet dem Herzen. Aber er hat noch Lust am Theater. „Ich bin da verführbar. Mal sehen, was kommt.“
Infos: www.bremertheater.com
