BREMEN - Jörg Steinbergs Stück wurde im Theater am Leibnizplatz uraufgeführt. Werder-Trainer Thomas Schaaf hatte dem Ensemble im März die Grundlagen des Fußball vermittelt.
von Wolfgang Denker
BREMEN - Die Turmuhr von Big Ben schlägt Mitternacht. In der British Library, in der die Werke von William Shakespeare, sauber getrennt nach Komödien und Tragödien, aufbewahrt werden, verlöschen die Lichter. Man schreibt den 24. Juni 1857. Es ist Johannisnacht, die „magische Nacht“. Schauplatz eines viktorianischen Krimis?Nicht ganz, sondern Geisterstunde, in der die Figuren Shakespeares einmal im Jahr zu tatsächlichem Leben erwachen. Autor und Regisseur Jörg Steinbach hat sich, zusammen mit dem Ensemble der Bremer Shakespeare Company, den fulminanten Spaß „Ein Königreich für einen Ball“ ausgedacht, bei dem Shakespeare und die Entstehung des Fußballspiels und seiner Regeln zusammengebracht werden. Herausgekommen ist dabei nicht etwa eine platte Hommage an die Fußball-WM, sondern eine hinreißende Komödie, die knapp drei Stunden ein ungetrübtes Vergnügen bereitet.
Ein intellektuelles, sinnliches Feuerwerk, das nicht nur den Shakespeare-Kenner entzückt. Die beiden Fraktionen der Komödianten und der Tragöden führen einen erbitterten Kampf gegeneinander, wobei sich jede Partei für etwas „Besseres“ hält und für die anderen nur Verachtung übrig hat. Und die auftretenden Figuren Shakespeares, von Falstaff, Beatrice, Malvolio und Miranda bis zu Hamlet, Lear, Tybalt, Romeo und Julia zicken ordentlich miteinander herum. Aber nicht nur: Hamlet küsst plötzlich Beatrice (was Julia zu dem entsetzten Ausruf „Wie ekelig!“ veranlasst), und auch Miranda entwickelt verdächtige Begeisterung für den Fechtunterricht bei Romeo.
Steinbach gelingt einerseits in seinen Dialogen ein geschliffener Umgang mit Zitaten, Andeutungen und witzigen Wortspielereien, lässt aber in den turbulenten Aktionen auch kräftig die Fetzen fliegen.
Weil bei den Auseinandersetzungen in der Vergangenheit auch ordentlich gemeuchelt wurde und sich die Zahl der erhaltenen Shakespeare-Stücke so immer mehr verringerte, kommen Shakespeares Geschöpfe auf den Gedanken, die Streitigkeiten durch ein Spiel auszutragen, bei dem die Mannschaften um einen Totenschädel kämpfen mussten: Die Geburt des Ur-Fußballs. Doch auch dabei gibt es eine Leiche. Hier schlägt das Stück plötzlich in eine Tragödie um. Und die Erkenntnis, dass Komödie und Tragödie zusammen eine Einheit bilden und eines nicht ohne das andere existieren kann, macht sich als „Moral von der Geschichte“ breit. Und was den Fußball angeht: Die Frauen (!) sind es schließlich, die das Regelwerk des modernen Fußballs (auf höchst vergnügliche Weise) entwickeln und niederschreiben. Und so findet der Pförtner am nächsten Morgen nach der Spuknacht ein neues Buch vor . . .
Die Leistung des Ensembles war umwerfend!
Karten: 0421/50 03 33.
