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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Veranstalter-Hilfen: Schnellbootflotte im Kulturmeer

24.04.2020

Bremen Selbst bei Gustav Mahler, dem Schöpfer kontrolliert maßloser Klangmassen, lässt sich die Musik in engere Rahmen fassen. Sein üppig instrumentiertes „Lied von der Erde“ gibt es in einer Fassung für Tenor, Alt und Kammerensemble, zu hören ohne Einbuße an musikalischer Substanz. Große Klavierkonzerte von Beethoven oder Mozart sind auch in Besetzungen mit Klavier und Streichquartett zu hören. Es gibt unzählige Anregungen und Fingerzeige, Aufführungen anders als gewohnt zu gestalten.

„Ja, wir sind ideenreich und innovativ“, sagt Thomas Albert, der Intendant des Musikfestes Bremen, in der 31. Auflage geplant vom 29. August bis 19. September. „Aber“, so fügt er an, „wir brauchen klare Regelungen, was wir tun können und was wir lassen müssen. Zudem: Ohne finanzielle Unterstützung lassen sich unsere Visionen aktuell nicht umsetzen.“ Insolvente Veranstalter können keine Künstlerinnen und Künstler verpflichten.

Albert zählt zu den Unterzeichnern eines Offenen Briefes an die Bundesregierung. Motto: Verspielt nicht die Musik. 40 Festival-Veranstalter tragen darin ihre Vorschläge und Forderungen zur Bewältigung der Corona-Krise und zur Zukunftssicherung der Musikfeste zusammen. Tobias Wolff als Sprecher verweist auf 600 freie Musikfestivals in Deutschland.

„Sie bringen Kultur auch in den ländlichen Raum, sind unverzichtbarer Teil des menschlichen Zusammenlebens“, führt der geschäftsführende Intendant der Göttinger Händel-Festspiele aus. Und: „Sie sind auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor mit 400 Millionen Euro Umsatz und einer vielfachen Wertschöpfung.“

Die Diskussion im Bundestag am Mittwochabend lässt vorsichtig vermuten, dass die Botschaft angekommen ist. Sie führte von Details wie der Gutschein-Regelung anstelle von Geld-Rückerstattungen bis zur Erkenntnis, dass Planungssicherheit weit über 2020 hinaus geschaffen werden muss. „Wir brauchen klare bundesweite Regelungen“, bilanziert Albert.

Wie etwa sei „höhere Gewalt“ für Veranstalter, Agenturen oder praktisch Kunstschaffende juristisch einzuordnen?

Starre Zahlvorgaben helfen kaum. „Unter 1000 Besuchern“ ist eine kaum praktisch greifbare Menge. „Wie kann ich einen Raum entsprechend seiner Größe bestuhlen?“ fragt Albert. Er steckt mit seinem Haupt-Veranstaltungssaal in der Klemme. Knapp 1400 Plätze hält die „Glocke“ vor. „Wir checken jetzt erst einmal alle Räume zwischen Bremen, Oldenburg, Verden, Jever, Westerstede und Papenburg durch.“ Für die „Glocke kann das heißen: „Vielleicht können wir 400 Musikfreunde einlassen, vielleicht nur 350.“ Die strengen Hygiene- und Abstandsregelungen könnten auch bei Kulturveranstaltungen umgesetzt werden, merkt Tobias Wolff an. Da möchte man mit der Wirtschaft und anderen Bereichen gleichbehandelt werden.

Festspiele sind auch eine belebende Gattung gegenüber den öffentlich geförderten Theatern. Sie beschäftigen vorwiegend selbstständige Musiker. „70 bis 80 Prozent sind beim Musikfest Bremen freie Ensembles“, erklärt Albert. „Folglich sind Musikfestivals keine behäbigen großen Schiffe, sondern wendig wie Schnellboote, gerade in der Krise.“

In diesem Sinne manövrieren zum Beispiel auch die ostfriesischen Festivals. Weder „Gezeitenkonzerte“ (7. Juni bis 9. Augst) noch „Musiksommer“ (26. Juni bis 9. August) planen eine generelle Absage. „Wir tüfteln derzeit an innovativen Alternativen“, verrät Gezeiten-Organisationsleiter Raoul­-Philip Schmidt. Das wird bei gut einem Drittel bereits ausverkaufter Konzerte zur Herausforderung.

Albert behält auch in der Notlage seinen Optimismus. „Uns allen muss im Moment eben unter die Arme gegriffen werden, und das wird auch geschehen“, schätzt er. „Musik, Theater, Tanz, Bildende Kunst, das alles ist doch wichtig für die Menschenbildung.“ Der Bremer Universalist spürt, dass die Musik und ihre Darstellung zunehmend als „systemrelevant“ empfunden und eingestuft werden. „Am liebsten“, so sagt er, „sähe ich das auch im Grundgesetz verankert.“ Nun ja, man kann nicht alles auf einmal haben.

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