Bremen/Oldenburg - Aller Anfang ist schwer, jeder Neustart auch: Michael Börgerding, Generalintendant des Theaters Bremen, zählt nach rund 100 Tagen im Amt rund 13 000 Zuschauer weniger als im Wirtschaftsplan einkalkuliert. Dennoch gibt er sich „relativ optimistisch“: Man werde reagieren, müsse aber Geduld haben. Auch bei seinem Vor-Vorgänger Klaus Pierwoß (70) seien die Zuschauer anfangs nur tropfenweise ins Haus gekommen. „Zwei Jahre braucht man immer“, zitiert Börgerding einige Kollegen und findet damit auch die Zustimmung von Oldenburgs Intendant Markus Müller.
Überregionale Resonanz
Bis zum 31. Dezember verzeichnete das Theater 56 000 Besucher. Bei den fehlenden 13 000 muss man nach Börgerdings Rechnung die Familienstücke beziehungsweise Weihnachtsproduktionen ausklammern, durch die allein knapp 6000 weniger Besucher kamen. „Robin Hood“ sei sehr gut gelaufen, doch die Schulen hätten nicht ausreichend gebucht. In der Hansestadt gebe es schließlich Konkurrenz, etwa das Waldautheater, „aber ich denke, dass wir das Vertrauen mit ,Robin Hood‘ wiedergewonnen haben“. Das Experiment mit der Kinder-Oper („Wo die wilden Kerle wohnen“) habe aber tatsächlich nicht funktioniert.
Zufrieden ist der Intendant, dass das Theater wieder in den schwarzen Zahlen ist. Das sah bei seinem Vorgänger Hans-Joachim Frey noch anders aus. Das Bremer Theater erhält eine Subvention in Höhe von 26 Millionen Euro, muss die Tariferhöhungen aber selbst auffangen. „Wir sind gezwungen Personal abzubauen, aber ohne betriebsbedingte Kündigungen“, erläutert Börgerding. Bis zu 15 Stellen, die in den nächsten fünf Jahren frei werden, würden nicht wieder besetzt.
Dafür sei es gelungen, sagt Börgerding, in der überregionalen Presse wieder Aufmerksamkeit zu erregen und positiv wahrgenommen zu werden. Was sicher auch den beiden Produktionen geschuldet ist, mit denen das Theater auf Risiko gespielt hat.
Zum einen mit der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Brecht und Weill, für die Regisseur Benedikt von Peter das gesamte Theater als Spielraum genutzt hat („ist immer ausverkauft und Stadtgespräch“), zum anderen mit der schrillen Inszenierung der „Banditen“ von Offenbach, die jedoch floppte. „Da sind wir in eine Operettenfalle geraten. Der Liebhaber erkennt seine Operette nicht wieder, und die anderen gehen in keine Operette.“ Unterm Strich seien 4000 Zuschauer weniger gekommen als erwartet, rechnet der Intendant vor.
Von Oldenburg lernen
Ein Vergleich mit Oldenburg ist zwar nicht ganz zulässig durch die vielen strukturellen Unterschiede der beiden Städte, doch die beiden Intendanten schätzen sich offenbar gegenseitig. Kollegen gegenüber gibt Börgerding nach eigenen Worten eine schmeichelhafte Devise aus: „Von Oldenburg lernen, heißt siegen lernen“.
Das Kompliment gibt Markus Müller gerne zurück: „Qualität setzt sich durch“. Aber es brauche etwas Zeit, bis ein langfristiger Abwärtstrend gestoppt werden könne. Und es sei Börgerding zu wünschen, dass man ihm diese Zeit lasse.
Im Vergleich zu den Bremer Zahlen steht das Staatstheater in der laufenden Spielzeit gut da: Bis zum Stichtag 31. Dezember wurden mehr als 76 000 Besucher gezählt. „Das ist ein guter, aber kein großartiger Wert“, sagt Müller. Das liege vor allem am krankheitsbedingt schwierigen Herbst. Das sei einfach Pech gewesen, aber er gehe davon aus, dass auch in dieser Spielzeit die Zahl von 200 000 Besuchern erreicht werde: „Knapp drüber oder knapp drunter“.
