BREMERHAVEN - Der Kunstverein und das Kabinett für aktuelle Kunst, das weit über die Region hinaus einen progressiven Ruf hat, waren bisher die einzigen renommierten Ausstellungsstätten in Bremerhaven. Dass der Kunstverein zeitgenössische Kunst angekauft und damit der Stadt die wichtige Kultur-Aufgabe abgenommen hat, Künstlerinnen und Künstler zu fördern, war wenig bekannt.

Auch das Kabinett, das Jürgen Wesseler leitet, der heute auch Vorsitzender des Kunstvereins ist, erwarb Arbeiten aus seinen oft spektakulären Veranstaltungen. Diese Werke wurden mit der Kunstvereins- Kollektion vereint.

So zieht eine bemerkenswert progressive Auswahl zeitgenössischer Kunst in das neue Museum, das als schwarzer Kubus im Stadtzentrum die Blicke auf sich zieht. „Kunst, sonst nichts“ dämpfen beschriftete Schaufenster allzu kühne Erwartungen und locken Interessierte an. Auf 700 Quadratmetern oder auf drei Ebenen in 14 Räumen werden Malerei, Zeichnungen, Drucke, Fotografie, Objekte und Skulpturen von Künstlerinnen und Künstlern gezeigt, die durch Lebensumstände und Ausstellungen irgendwie mit Bremerhaven verbunden sind.

Bei ihrer Präsentation geht es nicht um eine weitere Spiegelung der modernen Kunstgeschichte, sondern ganz offensichtlich um Werkreihen, die die künstlerische Substanz ihrer Autoren erkennen lassen: Das sind Arbeitsgruppen wie Ilya Kabakovs Zeichnungen für das nahe gelegene Auswanderer-Denkmal oder unterschiedliche Arbeitsweisen, wie sie Gerhard Richter demonstriert.

Für die Frühzeit des Vereins stehen Ölbilder von Otto Modersohn, gemalt vor dem Tode von Paula im Jahr 1907. Etwa die Hälfte wurde ergänzend für diese Dauerausstellung angekauft. Künstler, die nur mit einem Bild vertreten sind, bilden eher die Ausnahme – der Dangaster Franz Radziwill gehört freilich dazu.

Alle Räume erhalten eine spezifische Note, und der Besucher kann sich intensiv mit Zeichnern wie Henk Visch, Konzept-Künstlern wie Hamish Fulton, Malern wie Palermo, Norbert Schwontkowski oder Karin Kneffel beschäftigen. Ein zentraler Raum ist dem Objekt- und Performance-Künstler Franz Erhard Walther gewidmet, ein kleinerer dem listigen Konzept-Artisten Andreas Slominski.

Mit dieser Namenreihe wird deutlich, dass sich das Museum von anderen im Nordwesten deutlich unterscheidet. Neues zu sehen, erhöht eben die Attraktion. Bremerhaven ist – man denke nur an das Auswandererhaus – auch ohne Hafenbesichtigung einen Tagesausflug wert.